Absprung vom fahrenden Zug

Situation der verwaisten Eltern

A

Reisende sind im fahrenden Zug. Die werdenden Eltern leben, befinden sich im Leben.

B

Sie unterhalten sich, reden miteinander. Sie reden mit den Mitmenschen.

C

Sie blicken aus dem Fenster und sehen sich die vorbeirauschende Landschaft an. Sie blicken auf das Leben zurück, das sie bisher gelebt haben.

D

Ein Reisender springt vom fahrenden Zug ab. Das eigende Kind ist tot.

E

Er fährt nicht mehr mit, er steht. Die Zeit scheint still zu stehen.

F

Er sieht nun den Zug mit den Reisenden an sich vorbeirauschen. Die anderen Menschen leben das Leben weiter, so als wäre nichts geschehen.
G Keiner der Reisenden steigt aus und gesellt sich auch nur für kurze Zeit zu ihm. Keiner der Mitmenschen nimmt sich Zeit für sie, versteht sie.
H Sie winken, dass man wieder auf den fahrenden Zug aufspringen soll, wieder Mitreisender ist, so wie zuvor. Sie wollen nur, dass man/frau möglichst schnell wieder "normal" wird, nicht mehr trauert, so ist wie zuvor.
I Sie scheinen alle möglichst rasch dem einen Ziel entgegen zu eilen. Die anderen Menschen leben ihr Leben so weiter, wie bisher.
J Welchem Ziel eigentlich? Warum? - Was ist denn der Sinn des Lebens?
K "Will ich zu diesem Ziel?" "Will ich jetzt mit Trauern aufhören?"
L Mühsam steigt er auf den fahrenden Zug auf. Mühsam nehmen sie wieder am Leben teil.
M Er kann sich nicht lange halten und fällt wieder vom Zug ab. Immer wieder überfällt sie die Trauer und wieder steht die Zeit still.
  Er versucht es erneut, mit dem Zug mitzufahren, doch immer wieder fällt er vom Zug ab. Sie versuchen wieder am Leben teilzunehmen, doch immer wieder überfällt sie die Trauer.
  Mit jedem neuen Versuch gelingt es ihm besser. Er kann immmer weitere Stücke mitfahren. Die Bemühungen um Rückkehr zum Leben gelingen immer besser. Die Phasen werden immer länger, um am Leben wieder teilzunemen.
  Die anderen Reisenden fordern ihn auf, wieder zu seinem Platz zurückzukehren. Die Menschen fordern sie auf, wieder ganz die Alten zu sein, ganz wie früher.
  Sie wollen mit ihm die Reise so fortsetzen, als wäre der Absprung mit seinen Folgen nie gewesen. Sie wollen, dass verwaiste Eltern wieder so funktionieren wie früher, so als wäre nichts passiert.
     
     
 
Eine Reise wurde unterbrochen.
Ein Mensch ist gestorben.

Über allem gilt: Um über dieses Hilfsmittel verwaiste Eltern in ihrer Situation überhaupt verstehen zu können, bedarf es vor allem dem Willen, die verwaisten Eltern verstehen zu wollen. Ohne Empathie und der Bereitschaft des Einfühlenwollens nutzt alles andere nicht.