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Lange Texte
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Die hier wiedergegebenen Texte wurden von verwaisten Eltern
zugesandt.
Sollte einer der Texte ein Copyrigth verletzen, so bitte ich um entsprechende
Mitteilung. Ich werde dann diesen Text umgehend entsprechend kennzeichnen bzw.
entfernen.
Der Moment, an dem wir unser Kind gehen lassen mußten, ist der Moment
der Geburt unserer Trauer.
Und wie ein Neugeborenes verhält sie sich auch. Sie füllt unser ganzes
Wesen aus, unseren ganzen Tag, unser ganzes Dasein. Wie ein Säugling den
ganzen Tag von uns getragen wird, tragen wir die Trauer 24 Stunden. Wir spüren
ihr Gewicht körperlich in Form von Schmerz. Die Trauer liegt auf unserer
Brust, nimmt uns die Luft zum Atmen, und trinkt unsere Energie. Es gibt nichts
Anderes in dieser ersten Zeit, nur den Schmerz, die Kraftlosigkeit, die Trauer.
Aber ein Säugling entwickelt sich, zunächst unmerklich, dann mit kleinen
Sprüngen. Plötzlich kann es von der Mutter wegrobben, eigenes Terrain
entdecken. Es wird nicht mehr 24Stunden am Tag an der Brust getragen, will das
auch nicht. Es braucht noch immer sehr viel Körperkontakt, aber auch Freiraum.
Und irgendwann schläft es zum ersten Mal durch.
Und unsere Trauer: Verblüfft stellen wir fest, daß wir die Trauer
zwar noch ständig spüren, daß der körperliche Schmerz aber
Pausen macht, Pausen an denen man zwar noch sehr intensiv trauert, aber wieder
atmen kann. Die Lebensenergie wird nicht mehr unendlich abgezogen, Kleinigkeiten
des Alltags sind uns wieder möglich. Manche Mütter können das
erste Mal nach langer Zeit wieder nachts schlafen, bei Anderen waren (wie bei
manchen "lebenden Kindern") die Nächte eigentlich kein so großes
Problem. Wieder ist das "Schlafenkönnen" nicht das Maß
unserer Trauer oder gar unserer Liebe zu unseren Sternchen.
Dann kommt das Kind in den Kindergarten. Am Anfang macht sich die Mutter große
Sorgen, denkt die ganzen 4 Stunden ununterbrochen an ihr Kind. Manche Kinder
fällt der Übergang leicht, andere klammern. Liebt eine Mutter ihr
Kind weniger, wenn das Kind losläßt und geht? Natürlich nicht.
Liebt eine Mutter ihr Kind weniger oder mehr, wenn das Kind mit 5 Jahren mehr
oder weniger Körperkontakt braucht? Natürlich nicht. Und nach dem
Kindergarten kommt das Kind in die Arme der Mutter geflogen, holt sich die Geborgenheit
die es braucht, und will erzählen
Genauso ist es mit unserer Trauer. Nicht einschneidend, aber schleichend, gibt
es Momente, an dem wir die Trauer nicht spüren, an dem wir vielleicht über
Witze lachen können, einen Kuschelabend mit unserem Partner verbringen
oder richtig aufmerksam einen Film ansehen können, ohne ständig an
unseren Verlust zu denken. Und wie bei den lebenden Kindern, so ist diese Entwicklung
auch bei unseren Engelchen bei jedem Anders. Aber die Liebe ist immer die Gleiche.
Und der Schmerz kommt dann auch zurück, genauso nah genauso heftig wie
man es schon gewöhnt ist.
Manchmal bekommt das Kind ein Geschwisterchen. Es ist eifersüchtig, weil
das neue "Neugeborene" mehr Zeit und körperliche Nähe beansprucht,
fühlt sich vom Thron gestoßen und fällt in alte Babygewohnheiten
zurück.
So kann es auch unserem Trauerkind gehen, wenn ein Folgekind kommt. Schon in
der Schwangerschaft stellt sich oft die körperliche Trauer ein, diesmal
verbunden mit Angst. Und ist das Folgebaby erst einmal da, spüren wir den
vorwurfsvollen "Blick" unseres Trauerkindes, manchmal wie körperlich
"Und ich? Für mich hast Du keine Zeit mehr, liebst Du mich nicht mehr?",
und wir bekommen ein schlechtes Gewissen, glauben eine schlechte Mutter zu sein,
die ihr totes Kind vernachlässigt.
Irgendwann hat sich aber alles eingespielt. Das Trauerkind merkt, daß
es auch Zeit für es gibt, daß es nicht vergessen ist. Auch das Folgekind
lernt, daß noch ein Geschwisterkind auch die Liebe seiner Eltern mit beansprucht.
Es wird zum Grab mitgenommen und wenn es älter wird, werden ihm Photos
gezeigt und es wird ihm erklärt, was passiert ist. So wie Geschwister ganz
selbstverständlich miteinander groß werden, lernt auch das Folgekind,
daß das Sternenkind das Trauerkind bei seinen Eltern gelassen hat, an
seiner statt. Und da auch bei der größten Geschwisterliebe Streit
unvermeidlich ist, werden auch da Machtkämpfe um die elterliche Aufmerksamkeit
nicht ausbleiben. Manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn man sein Folgekind
richtig glücklich anlacht, dann wieder wird das Folgekind zum "Kasper"
oder "Haustyrann" wenn es merkt, daß Mama "zu lange"
heute so still und nachdenklich ist. Aber irgendwie gibt es dann auch schnell
wieder Versöhnung.
Dann kommt das Kind in die Pubertät, lehnt sich gegen die Eltern auf, es
gibt Zoff. "Laß mich in Ruhe. Du hast mir überhaupt nichts zu
sagen" etc. Die Liebe der Mutter wird ausgetestet bis zum geht nicht mehr,
aber sie ist (meistens) immer noch da, auch wenn viele Jugendliche den Kontakt
zu ihren Eltern fast ganz ablehnen, die Türen verschließen.
Und unser Trauerkind: Jetzt passiert es zum ersten Mal, daß wir z.B. einen
Kinderwagen ansehen, hineinschauen und das Baby bewundern, wartend auf das so
bekannte Gefühl des Schmerzes- und es kommt nicht. Wenn das zum ersten
Mal passiert, erschrecken wir uns wahrscheinlich, denken "Ich liebe mein
Baby nicht mehr. Ich spüre den Schmerz nicht. Was bin ich für eine
Rabenmutter". Aber die Trauer will nicht mehr "abrufbar" sein.
Will einfach nicht mehr irgendwelchen Ritualen und Signalen gehorchen, will
kommen und gehen, wann es ihm passt. Jetzt kann es sein, daß man von heftiger
Trauer mitten in der Nacht geweckt wird, was wahrscheinlich schon lange nicht
mehr passiert ist. Wie ein Jugendlicher, der nachts um 3 beschließt seiner
Mutter doch von seinem Liebeskummer zu erzählen.
Dann irgendwann ist das Kind erwachsen, verläßt das Elternhaus. Stirbt
damit die Liebe der Mutter? Nein. Nach einer Eingewöhnungszeit fängt
die Mutter an, ihr Leben wieder ganz so zu leben, wie sie es möchte. Sie
liebt ihr Kind, aber es ist aus dem Haus. Und jedes Kind ist anders. Einige
rufen ihre Mutter 2 mal die Woche an, einige lassen sich noch eine Weile die
Wäsche waschen und sie sehen sich häufig, wieder andere melden sich
nur zu Weihnachten und Neujahr. Aber die Mutterliebe bleibt.
Und die Trauer. Auch die zieht irgendwann vielleicht aus, nur das warme Gefühl
der Liebe zu diesem Kind bleibt. Und der gelegentliche Anruf, das gelegentliche
Gefühl, das an den alten Schmerz erinnert, aber doch ganz anders ist.
Und wie es bei lebenden Kindern sein kann, daß auch nach vielen Jahren,
die erwachsene Tochter mit einem Koffer in der Hand in der Tür steht, weinend
in die Arme der Mutter fliegt und erst einmal wieder für ein halbes Jahr
zurück ins alte Kinderzimmer zieht, kann auch unser Trauerkind zurückkommen,
mal für einen Kurzbesuch, dann vielleicht sogar für eine ganze Phase.
Aber ob das nun passiert oder nicht, die Mutterliebe ist die Gleiche.
Jedes Kind entwickelt sich anders. Einige lernen erst mit 2 Jahren laufen, andere
ziehen schon mit 16 von zu Hause aus. Wir können das nur bedingt beeinflussen
und es ist nicht das Maß unserer Liebe wie schnell oder gut sich ein Kind
entwickelt. Es steckt auch in ihm.
Und jedes unserer Trauerkinder entwickelt sich nach seinem Tempo, mit seinen
Fortschritten und Rückschlägen. Wir können mit Therapien und
Gesprächen versuchen die Entwicklung zu unterstützen, aber ganz steuern
können wir sie nicht.
Es ist nicht das Maß unserer Liebe zu unseren Sternchen, wie wir trauern;
körperlich oder seelisch, 24 Stunden oder in Schüben. Alles hat seine
Zeit. Und die "Entwicklungszeit" unserer Trauerkinder läßt
sich nicht in Erdenzeit messen. Manche sind schon nach wenigen Monaten "Schulkinder"
andere sind noch nach Jahren in der "Säuglingsphase".
Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlang kam. Sie war wohl
schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen
Glanz eines unbekümmerten Mädchens. Bei der zusammengekauerten Gestalt
blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen,
das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte
an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen.
Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: "Wer bist du?"
Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. "Ich? Ich bin die Traurigkeit",
flüsterte die Stimme stockend und so leise, dass sie kaum zu hören
war. "Ach die Traurigkeit!" rief die kleine Frau erfreut aus, als
würde sie eine alte Bekannte begrüßen.
"Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit misstrauisch. "Natürlich
kenne ich dich! Immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet."
"Ja aber...", argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest
du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?" "Warum sollte ich
vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, das
du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst
du so mutlos aus?
"Ich.....ich bin traurig", antwortete die graue Gestalt mit brüchiger
Stimme. Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr. "Traurig bist du also",
sagte sie und, nickte verständnisvoll mit dem Kopf. "Erzähl mir
doch, was dich so bedrückt." Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte
ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das
schon gewünscht.
"Ach, weißt du", begann sie zögernd und äußerst
verwundert, "es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine
Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen
zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten
sich vor mir und meiden mich wie die Pest."
Die Traurigkeit schluckte schwer.
"Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen:
Papperlapapp, das Leben ist heiter.
Und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot.
Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht. Und dann bekommen sie Herzschmerzen.
Sie sagen: Man muss sich nur zusammenreißen. Und sie spüren das Reißen
in den Schultern und im Rücken.
Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen. Und die aufgestauten Tränen sprengen
fast ihre Köpfe.
Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht
fühlen müssen."
"Oh ja", bestätigte die alte Frau, "solche Menschen sind
mir schon oft begegnet." Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich
zusammen. "Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen.
Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen.
Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen.
Wer traurig ist hat eine besonders dünne Haut.
Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut
sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen
weint, kann seine Wunden wirklich heilen.
Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich ihnen dabei helfe.
Statt dessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben.
Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu."
Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und
schließlich ganz verzweifelt. Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene
Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt,
dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel.
"Weine nur, Traurigkeit", flüsterte sie liebevoll, "ruh
dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr
alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch
mehr an Macht gewinnt." Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete
sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin: "Aber... aber
- wer bist eigentlich du?"
"Ich?" sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd, und dann lächelte
sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen.
"Ich bin die Hoffnung"
Zwei kleine Sternkinder stehen jeden Abend am Himmel: Sie funkeln und strahlen. Sie schauen auf die Erde hinunter und sehen die Häuser, die jetzt mit Lichtern geschmückt sind. Sie hören Kinder, die Advents- und Weihnachtslieder singen.
Die zwei Sternkinder schauen aber auch rund ums Himmelszeit herum, sie suchen den strahlenden Bethlehemstern.
Doch heute können sie ihn nicht sehen - der Bethlehemstern ist krank. Seine Zacken hängen schlaff, sind matt und glanzlos. Er hat nicht die Kraft hell zu strahlen.
Der Mondvater ist sehr beunruhigt: "Wer soll nun all den Menschen den Weg zur Krippe weisen?" Der Mondvater ruft alle Sternkinder zusammen und sagt: "ich weiß mir keinen Rat mehr. Habt Ihr einen Vorschlag?" Doch die Sternkinder wissen auch nicht, was sie machen sollen. Sie sind traurig.
Da ertönt leise Musik - und plötzlich wissen die Sternkinder, was zu tun ist. Sie wollen gemeinsam mit dem Bethlehemstern für die ganze Welt leuchten. Sie putzen und polieren ihre Zacken, sodaß sie spiegelblank sind. Ihr Licht funkelt und ist schillern wie noch nie.
Der Mondvater ist darüber sehr froh und sagt zu den Sternkindern: "Das ist eine wunderbare Idee. Ich danke Euch,daß Ihr jetzt gemeinsam mit dem Bethlehemstern den Menschen den Weg zur Krippe erhellen werdet."
Die kleinen Sternkinder erstrahlen zu einem großen Licht und blinzeln verlegen mit ihren blank geputzten kleinen Zacken. Auch der Bethlehemstern ist sehr glücklich und versucht, mit seinen müden Zacken ein wenig zu leuchten.
Ab heute können die Menschen wieder den Bethlehenstern am Himmel leuchten sehen und an das Christkind denken -
Ganz tief unterhalb der Wasserfläche eines kleinen Teiches lebte eine
kleine Zigarrenkäferkolonie. Weit weg von der Sonne lebten sie da glücklich
und zufrieden. Viele Monate krabbelten sie geschäftig durch den weichen
Schlamm am Grunde des Teiches. Sie bemerkten, daß immer mal wieder einer
aus ihrer Kolonie keine Lust zu haben schien, mit seinen Freunden herumzukrabbeln.
Statt dessen klammerte er sich an den Stengel einer Seerose und kletterte ganz
langsam daran hoch, bis er nicht mehr zu sehen war. Sie bekamen ihn nie wieder
zu Gesicht.
"Seht mal", sagte eines Tages einer der Zigarrenkäfer zu seinen
Freunden, "wieder klettert einer von uns am Stengel der Seerose hoch. Was
meint ihr, wo er hin will?" Ganz langsam kletterte ihr Freund immer höher
und höher. Und während sie ihn noch beobachteten, verschwand er plötzlich
aus ihrem Gesichtsfeld.
Seine Freunde warteten und warteten, aber er kam nicht zurück. "Das
ist irgendwie komisch," sagte ein Zigarrenkäfer zum anderen. "Hat´s
ihm hier denn nicht gefallen?" fragte ein zweiter. "Was glaubst du,
wo er hingekrabbelt ist?" wunderte sich ein dritter. Sie zerbrachen sich
den Kopf, aber keiner hatte eine Antwort darauf. Schließlich versammelte
der Anführer der Zigarrenkäfer seine Freunde um sich: "Ich habe
eine Idee. Der nächste von uns, der den Stengel der Seerose hochklettert,
muß versprechen wiederzukommen und uns zu erzählen, wo er hingegangen
ist." "Wir versprechen es", sagten alle ganz feierlich.
Kurz darauf an einem schönen Frühlingstag bemerkte der Anführer
der Zigarrenkäfer - eben der, der den Plan ausgeheckt hatte - daß
er an einem Seerosenstengel hochkrabbelte. Höher und höher ging es.
Und ehe er sich´s versah, hatte er den Wasserspiegel durchbrochen und
fand sich auf einem großen grünen Seerosenblatt wieder. Er rieb sich
überrascht die Augen, denn er konnte nicht glauben, was er sah. Dazu kam,
daß sich sein alter Körper in einem bestürzenden Tempo verwandelte.
Plötzlich zeigten sich vier silberne Flügel und ein langer Schwanz.
Und während er noch mühsam versuchte auf die Beine zu kommen, verspürte
er den Wunsch, seine neuen Flügel zu bewegen. Die Wärme der Frühlingssonne
trocknete schnell die überschüssige Fechtigkeit von seinem neuen Körper.
Wieder bewegte er seine Flügel, und plötzlich fand er sich oberhalb
des Wassers in der Luft schwebend wieder.
Er war eine Libelle geworden. In weiten Kurven sich wiegend, dann wieder blitzschnell
herabsausend, flog er durch die Luft. Voller Heiterkeit genoß er seine
neue Welt. Nach einer Weile landete er überglücklich auf einem Seerosenblatt,
um sich eine Verschnaufpause zu gönnen. Zufällig sah er dabei über
den Rand des Seerosenblattes nach unten auf den Grund des kleinen Teichs: Da
waren ja wahrhaftig seine alten Freunde, die Zigarrenkäfer. Er war direkt
über ihnen. Sie krabbelten eifrig durch den weichen Schlamm - so wie er
es bis vor Kurzem auch gemacht hatte. Da fiel ihm das Versprechen ein: "Der
nächste von uns, der den Stengel der Seerose hochklettert, muß versprechen
wiederzukommen und uns zu erzählen, wo er hingegangen ist."
Ohne weiter nachzudenken stürzte sich die Libelle - unser alter ehemaliger
Zigarrenkäfer - kopfüber hinunter und .................... prallte
an der Wasseroberfläche zurück. Er war eine Libelle geworden. Er konnte
nicht mehr ins Wasser hinein. "Ich kann nicht zurück", sagte
er bestürzt, und dann - nach einer kleinen Weile - besann er sich: "Ich
habe es immerhin versucht, aber ich kann mein Versprechen nicht halten. Sogar
wenn ich zurückgehen könnte, würde es nichts nützen. Denn
nicht einer meiner alten Freunde würde mich in meinem neuen Körper
wiedererkennen. Ich denke, ich muß warten, bis sie auch Libellen geworden
sind. Dann werden sie verstehen, was mir passiert ist, und wo ich hingekommen
bin."
Und die Libelle breitete ihre schimmernden Flügel aus und flog beglückt
in ihre neue wunderbare, sonnige und luftige Welt hinein. (frei übersetzt
nach einer Geschichte von D. Stickney)
(aus: "Ein Hospitzmärchen", überreicht durch die Hospizgruppe
Stuhr-Heiligenrode)
Vier Kerzen brannten an einem Adventskranz. Es war ganz still. So still, dass
man hörte, wie die Kerzen zu reden begannen. Die erste Kerze seufzte und
sagte: "Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen
halten keinen Frieden, sie wollen mich nicht." Ich Licht wurde immer kleiner
und verlosch schließlich ganz.
Die zweite Kerze flackerte und sagte: "Ich heiße Glauben. Aber ich
bin überflüssig. Die Menschen wollen von Gott nicht wissen. Es hat
keinen Sinn mehr, dass ich brenne." Ein Luftzug wehte durch den Raum, und
die zweite Kerze war aus.
Leise und sehr traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort: "Ich
heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr zu brennen. Die Menschen stellen
mich an die Seite. Sie sehen nru sich selbst und nicht die anderen, die sie
liebhaben sollen." Und mit einem letzen Aufflackern war auch dieses Licht
ausgelöscht.
Da kam ein Kind in das Zimmer. Es schaute die Kerzen an und sagte: "Aber,
aber, ihr sollt doch brennen und nicht aus sein!" Und fast fing es an zu
weinen. Da meldete sich auch die vierte Kerze zu Wort und sagte: "Hab keine
Angst! Solange ich brenne, können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden.
Ich heiße Hoffnung."
Mit einem Streichholz nahm das Kind von dieser Hoffnungs-Kerze und zündete
die anderen Lichter wieder an.
Die Geschichte einer Frau, die sehr, sehr alt wurde, weil sie die Momente des Glücks nicht vergessen hat.
Die Frau verließ niemals das Haus, ohne sich vorher eine handvoll Kaffeebohnen
einzustecken. Sie tat dies nicht etwa, um die Bohnen zu kauen. Nein, sie nahm
sie mit, um so die schönen Momente des Tages bewusster wahrzunehmen und
sie zählen zu können.
Jede positive Kleinigkeit, die sie tagsüber erlebte - zum Beispiel einen
fröhlichen Plausch auf der Straße, fröhliche Kinderaugen, ein
liebes Lächeln, ein köstliches Mahl, ein gutes Stück Kuchen,
ein herrliches Glas Wein - für alles, was die Sinne erfreute, ließ
sie eine Bohne von der rechten in die linke Jackentasche wandern. Manchmal waren
es gleich zwei oder drei.
Abends saß sie dann zu Hause und zählte die Bohnen aus der linken
Tasche. Sie zelebrierte diese Minuten. So führte sie sich vor Augen, wie
viel Schönes ihr an diesem Tag widerfahren war. Sie freute sich und dankte
Ihrem Schöpfer. Und sogar am einem Abend, an dem sie bloß eine Bohne
zählte, war der Tag gelungen - hatte es sich zu leben gehlohnt.
Du hast das Recht,
deine dunklen Stunden zu durchleben
und dich nicht durch billige Sprüche
aus ihnen herauslocken zu lassen.
Schon der Versuch ist eine Entwürdigung
deiner inneren Wirklichkeit.
Du bist auch deine Dunkelheit.
Die Abgründe und Widersprüche
gehören auch zu dir.
Die Schatten geben deinem Leben
Tiefe und Menschlichkeit.
Wer mit dir in Beziehung tritt,
sollte wissen, daß diese Seite zu dir gehört.
Wer sie in dir ablehnt,
hat nicht das Recht,
sich deinen Freund und deine Freundin zu nennen.
Manche geben dir nicht das Recht
auf diese Seite in dir.
Sie erwarten, daß du sie unterschlägst
und das Glück vorspielst.
Vielleicht haben sie weniger Angst für dich
als für sich selbst, weil sie durch dich
an das Unoffene in sich selbst geraten.
Wenn sie darum dir helfen wollen,
geschieht es nicht, um Dir zu helfen, sondern sich selbst.
Du hast ein Recht auf deine Trauer.
Du darfst dich deinen Verlusten widmen,
mußt nicht verdrängen, was dich beschwert.
Du hast ein Recht, das abzutrauern,
was dich so tief enttäuscht hat
und was du nicht ändern kannst.
Du hast ein Recht auf deine Tränen,
auf dein Schweigen,
auf deine Ratlosigkeit,
auf deine innere und äußere Abwesenheit.
Du mußt nicht den Glücklichen spielen,
nicht über den Dingen stehen.
Du hast ein Recht, die wegzuschicken,
die dich mit Gewalt aus deiner Trauer
herausholen wollen, weil deine Trauer
sie selbst bedroht.
Du hast ein Recht auf deine Trauerzeit.
Du hast ein Recht,
mit denen nicht reden zu wollen,
die dir ein schlechtes Gewissen machen
für deine Dunkelheit und Trauer.
Die mit Sprüchen kommen
und dich mit diesen Sprüchen
unter Druck zu setzen versuchen.
Du hast ein Recht auf deine Trauerstille. (aus: Ulrich Schaffer: Grundrechte)
Josefine Mülleder leitet die SHG Trauernde Eltern in 4202 Hellmonsödt,
Althellmonsödt 17 - Sie bat um die Verteilung Ihrer Worte:
Alle Jahre wieder (geschrieben von einer Mutter, deren Kind vorausging)
Weihnachtslieder dringen ungebeten an unser Ohr.
Weihnachtlich geschmückte Geschäfte und Märkte
Weisen unerbittlich darauf hin:
Weihnachten
Das Fest der Freude,
das Fest des Schenkens,
das Fest der Familie,
das Fest der Geburt eines göttlichen Kindes
will gefeiert werden.
Doch: Was fangen wir damit an,
wenn am Fest der Freude alles übertönt wird von Schmerz und Trauer?
Wenn die Lichter am Christbaum erlöschen und nur die Kerze für das
verstorbene Kind brennt?
Im Herzen das Entsetzen brennt, dass das Kind nicht mehr da ist?
Wenn die Stimme bricht,
wo sie doch einstimmen sollte in die seit Kindheitstagen vertrauten Weihnachtsliedern?
Was fangen wir damit an?
Jene, die das Unerträgliche ertragen lernten,
und jene, die einfühlsam mit Leid umgehen,
mögen jene trösten,
die am Anfang des Schmerzes stehen.
Eines Tages lässt der Schmerz nach.
Ein wenig.
Ganz langsam und allmählich.
Vielleicht erst nach vielen Jahren.
Da tröstet dann auch ein Liedtext eines wenig bekannten Weihnachtsliedes:
O Bethlehem, du kleine Stadt, wie stille liegst Du hier
Doch in den dunklen Gassen
Das ew´ge Licht heut scheint,
für alle, die da traurig sind,
und die zuvor geweint.
Ich wünsche für Weihnachten den Schein dieses ewigen Lichtes, in das
unsere Kinder vorausgingen.
Josefine Mülleder
Sie sind der Anfang und das Licht
doch wir sehn es nicht
Sie sind das Wort das niemals bricht
doch wir verstehn es nicht
Sie haben Herzen, die begreifen jede Hand die gibt
und öffnen sich dem der sich zeigt und ihnen Liebe gibt
Sie sind das Wasser und die Kraft
doch wir beugen sie
die Kraft die neues Leben schafft
doch wir beschneiden sie
Sie haben Augen, die können viele Sonnen sehn
doch wer sie bricht der wird in ihnen siene Schatten sehn
Jedes Kind braucht einen Engel
der es schützt und der es hält
der es schützt und der es hält
Jedes kind braucht einen Engel
der es auffängt wenn es fällt
Sie sind der Boden der uns trägt
doch wir belächeln sie
das Grün das aus den Zweigen schlägt
doch wir zerbrechen sie
Sie sind die Zukunft
doch wir sperren ihre Träume ein
und sehen fassungslos - aus unsren Mauern stammt der erste Stein
Jedes Kind braucht einen Engel. (Klaus Hoffmann)
| Habe 40 Jahre nicht daran gedacht, war mir damals geschah. Wir freuten uns auf das Kind und keiner rechnete mit dem Verlust in der 11. Woche. Der Arbeitgeber war ärgerlich, dass ich einige Tage zu schwach war, ins Büro zu gehen. Mutter und Schwiegermutter waren ärgerlich - und froh zugleich - dass aus der frühen Schwangerschaft nichts wurde. Die medizinische Betreuung erfolgte normal und auch mein Mann und ich sprachen nie wieder darüber. Ich erinnere mich nicht, dass ich trauern durfte. Jetzt besuchte ich ein Seminar zu dieser Thematik und - |
mir fiel es wie Schuppen von den Augen: Ich hatte ein Kind verloren! Damals wurde ein solches Geschehen nicht 'öffentlich' gemacht. Mir war gar nicht bewusst, dass ich schon 'wirkliches' Leben in mir trug. Ich sehe nun für mich dieses Kind als einen Gast, der nicht ins Haus trat. Er ging einfach vorbei! Ich gab ihm den Namen TOBIAS. Möge er mir die Augen öffnen für das, was ich sehen soll - in der Hoffnung, ihm eines Tages zu begegnen und ihn dann auch zu erkennen, wenn meine Zeit gekommen ist! (Dalila Thomas-Roos 5.11.2006) |
Eure Kinder sind nicht euer Besitz
Sie sind die Söhne und Töchter
der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.
Sie kommen durch euch,
aber nicht von euch.
Ihr könnt ihnen eure Liebe geben,
aber nicht eure Gedanken,
denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr könnt ihren Körpern ein Zuhause geben,
aber nicht ihren Seelen,
denn ihre Seelen wohnen in dem Haus von morgen,
das ihr nicht besuchen könnt,
nicht einmal in euren Träumen.
Wenn ihr wollt,
könnt ihr euch bemühen zu werden wie sie,
aber ihr dürft sie nicht dahin bringen wollen,
zu werden wie ihr.
Denn das Leben geht nicht rückwärts
und hält sich nicht auf beim Gestern. (Lao Tse)
"Weißt du was", sagte die Schwester zu ihrem Bruder, "Ich
glaube, es gibt ein Leben nach der Geburt!"
"Was für eine Idee!", erwiderte er, "warum denn? Hier ist
es doch schön dunkel und warm, und wir haben gneug zu esen."
Das Mädchen gab nicht nach: "Es muss doch mehr als diesen Ort geben,
etwas, wo Licht ist. Und vielleicht werden wir uns frei bewegen und mit dem
Mund essen.", aber sie kann ihren Zwillingsbruder nicht überzeugen.
"Mit dem Mund essen, so eine komische Idee. Und es ist noch nie einer zurückgekommen
von 'nach der Geburt'. Das hier ist alles, was es gibt! Und mit der Geburt ist
das Leben zu Ende. Warum willst du immer noch mehr?"
Nach längerem Schweigen sagt die Schwester zögernde: "Aber weißt
du, was ich noch glaube?" Ich glaube, dass wir eine Mutter haben!"
"Eine Mutter!", entgegnete er spöttisch, "ich habe noch
nie eine Mutter gesehen, also gibt es sie auch nicht."
"Aber manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören.
Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt ..."
Wieder schwiegen die beiden eine Zeit lang. Schließlich fuhr die Schwester
fort: "Spürst du nicht ab und zu diesen Druck? Das ist doch immer
wieder gan unangenehm. Manchmal tut es richtig we."
"Ja, aber was soll das schon heißen?"
"Ich glaube, dass dieses Wehtun dazu da ist, um uns auf einen anderen Ort
vorzubereiten, wo es viel schöner ist als hier und wo wir unsere Mutter
von Angesicht zu Angesicht sehen werden. Wird das nicht aufregend sein?"
(nach Henny Nouwen)
Die Kathedrale von Moskau
Es war einmal ein armer Mann. Er hieß Jupp. Er betet fünfmal täglich,
pflückte sich ein paar Früchte und ging ab und zu betteln. Das Leben
war schwer und er begann, alt zu werden. Darum betete er: "Guter Gott,
die Leute lachen mich aus, weil ich so arm bin und weil ich auf dich vertraue.
Darum bitte ich dirch, ob ich dich einmal in meinem Leben sehen darf."
Eines Tages hatte der Arme dann einen Traum. Der Engel Gabriel erschien und
sagte: "Mach dich auf die Reise, um in der Kathedrale von Moskau Ostern
zu feiern. Dort wirst du Gott sehen."
Froh begann Jupp seine lange Reise. Er war noch keinen halben Tag unterwegs,
als eine alte Frau rief. Sie lag krank im Bett und niemand versorgte sie. Jupp
holte für sie Wasser. Er gab ihr so lange zu trinken, bis ihre Grippe verschwunden
war. Dann setzte er die Reise fort.
Am folgenden Tag saß ein Kin auf dem Bordstein und heulte. "Ich habe
mich verirrt", schluchzte das Mädchen. Jupp nahm das Kin dan der Hand
und suchte die Eltern der Kleinen.
Am dritten Tag wurde er erneut aufgehalten. Nun hatte Jupp kein Geld, um einen
Bettler etwas zu geben. So beschloss er, in der nächsten Gaststätte
einen Tag lang zu arbeiten.
So kam Jupp viel zu spät in Moskau an. Das Osterfest war vorbei. Todmüde
setzte er sich auf die Stufen der Kathedrale.
"Guter Gott, es tut mir leid, dass ich zu spät bin. Könntest
du nicht doch noch eben einmal vor deinem Diener erscheinen. Ich habe doch mein
Leben lang zu dir gebetet!", flehte Jupp und schlief ein.
In seinem tiefen Schlaf erschien Jupp wieder der Engel Gabriel. Er sagte: "Gott
versteht dich nicht. Er hat sich dir unterwegs schon dreimal gezeigt!"
Wieder aufgewacht ging Jupp den langen Weg wieder nach Hause zurück. Er
hüpfte beinahe! Ja, er hatte Gott gesehen ... dreimal!
Still, seid leise,
es war ein Engel auf der Reise.
Sie wollte ganz kurz bei euch sein,
warum sie ging, weiß Gott allein.
Sie kam von Gott, dort ist sie wieder.
Sie sollte nicht auf unsre Erde nieder.
Ein Hauch nur bleibt von ihr zurück.
in eurem Herz ein großes Stück.
Sie wird für immer bei euch sein
vergesst sie nicht, sie war so klein.
Geht nun ein Wind an mildem Tag,
so denkt: Es war ihr Flügelschlag.
Und wenn ihr fragt: Wo mag sie sein?
So wisst: Engel sind niemals allein.
Sie kann jetzt alle Farben sehn,
und barfuss durch die Wolken geh'n
Bestimmt lässt sie sich hin und wieder
bei anderen Engelkindern nieder.
Und wenn ihr sie auch sehr vermisst
und weint, weil sie nicht mehr bei Euch ist,
so denkt: Im Himmel, wo es sie nun gibt
erzählt sie stolz: Ich werde geliebt! (VerfasserIn unbekannt)
Bevor ich gehe
schenk ich Dir ein Stück vom Himmel
ganz für Dich allein mit weißen Wolken,
die dort oben schweben,
und etwas hellen Sonnenschein.
Bevor ich gehe
schenk ich Dir ein Stück vom Regenbogen
rot und blau
und auch die andren Farben will ich geben,
dann wird Dein Leben niemals grau.
Bevor ich gehe
schenk ich Dir ein Stück von meinem Herzen
Freude, Glück, ein Schmetterling in Deiner Hand
der um Dich tanzt und flüstert:
Blick traurig nicht auf mich zurück.
Und wenn ich fort bin
streu ich Dir aus lauter Liebe
Butterblumen auf die Wiesen hin.
Sie blühen dort wie kleine Sonnen,
damit ich immer bei Dir bin.
(Andreas Fricke)
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