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Kleiner Knigge zum TröstenEin Klinikseelsorger rät, wie man Verständnis und Mitgefühl
zeigt und was man nicht sagen sollte |
Trauernde erwarten keine tröstenden Worte, sondern einfach nur, dass
man ihnen zuhört, dass sie verstanden und in ihrer Trauer angenommen werden.
Besonders in der akuten Situation des Verlustes ist dies der einzige Trost,
den man geben kann, meint Klinikseelsorger Klaus Schäfer. Einige seiner
Erfahrungen hat er im Magazin
ewig Forum für Gedenkkultur (www.ewig-forum.de) veröffentlicht,
dessen nächste Ausgabe in Bahnhofsbuchhandlungen in einer Woche zu haben
ist. Auszüge:
Das wird schon wieder. Du schaffst das schon. Du
musst nach vorne schauen. Diese und ähnliche Sätze bekommen
Trauernde immer wieder als vermeintlichen Trost zu hören. Nur wenige Trauernde
haben in ihrem Schmerz noch die Kraft, hierbei zurückzumelden, wie sehr
sie diese Sätze verletzen oder in ihrer Trauer allein lassen.
Wir lernen in unseren Schulen und Bildungseinrichtungen viel, aber nicht das
Trösten. Dabei ist das ein zutiefst menschlicher Auftrag an jeden von uns.
Schon im Alten Testament wurden sechsmal Witwen und Waisen, 29-mal
Witwen und 31-mal Waisen erwähnt.
Seit dem Jahre 2001 beschäftige ich mich intensiv mit Eltern, die während
der Schwangerschaft ihr Kind verloren haben. Hierbei erkannte ich: Trösten
ist erlernbar, vor allem durch den Umgang mit Trauernden.
Viele Menschen pflegen zwar Kontakt zu Trauernden, erfahren jedoch nie, ob ihre
Worte dem Trauernden hilfreich waren oder eher eine Belastung darstellten. Ohne
diese Rückmeldung glauben sie, getröstet zu haben. Dies trifft nicht
immer zu. Daher ist das Feedback gerade beim Trösten so wichtig.
Die meisten Trauernden erwarten keine tröstenden Worte, sondern nur, dass
man ihnen zuhört
(siehe Eingangssätze)
Trauer ist ein Gefühl, das sich bei Verlust einstellt. Dabei spielt es
keine Rolle, was verloren wurde. Dies kann sehr unterschiedlich sein. Allen
Trauernden gemeinsam ist jedoch, dass sie ein Anrecht auf diese Trauer haben,
auch wenn wir diese Trauer nicht verstehen
Trost ist Entlastung. Trauernde erfahren jedoch häufig Belastung. Sätze,
die mit Du musst oder Du sollst beginnen, sind für
den Trauernden immer Belastung. Ebenso ist es mit Sätzen, die mit einem
Verb beginnen. Sie können nur sein:
* (Über-)Forderung, ist meist der Fall
* Frage, hierbei kommt es auf die Betonung an
* Bitte, dann gehört bitte zwingend hinzu.
Es lässt sich mit einem Verb am Satzanfang kein anderer Satz bilden. Da
es sich bei den Tröstungen jedoch kaum um eine Frage oder Bitte
handelt, endet der mit einem Verb beginnende Satz immer mit einer (Über-)Forderung
und stellt damit für den Trauernden keine Entlastung dar, sondern eine
Belastung.
Besondere Leckerbissen sind als Trost gedachte Bibelzitate, die besonders gerne
von frommen Menschen verwendet werden. Häufig sind sie unpassend,
doch gegen Worte der Bibel aufzubegehren, kommt einer Rebellion gegen die Bibel,
den Glauben und gegen Gott gleich. Bibelzitate erheben höchsten Anspruch
und können von keinem Menschen widerlegt werden. Daher haben sie auch eine
so vernichtende Wirkung, wenn sie für den Trauernden nicht passen
Grundsätzlich gilt beim Trösten:
Leid ist eine Gefühlssache. Daher muss man darauf achten, dass nicht
der Kopf (Verstand), sondern das
Herz (Gefühl) angesprochen wird.
Ratschläge sind auch Schläge. Angebote machen ist hier viel
hilfreicher.
Der Schuh, der mir passt, muss dem anderen noch lange nicht passen. Es
ist darauf zu achten, was dem Trauernden gut tut.
Eine mitgeweinte Träne ist oft mehr Trost als 100 kluge Sätze.
Auch wenn ich die Trauer nicht nachvollziehen kann, wenn sie mir als
eine Nichtigkeit erscheint, hat der Trauernde dennoch ein Recht darauf.
In seinem Schmerz hat man auch das Recht, mit Gott zu hadern. Auch das
ist Gebet.
Trösten ist Verständnis, Anteilnahme und Mittragen an der Trauer
des Trauernden.
Klinikseelsorger Klaus Schäfer zeigt Beispiele auf, die ein Gefühl
dafür vermitteln sollen, was beim Trösten zu unterlassen ist und was
stattdessen gesagt werden kann. Er stellt dummen Sprüche echte Tröstungen
gegenüber.
SAGEN SIE NICHT: Die Zeit heilt alle Wunden. (Es ist nicht der Tröster,
der tröstet, sondern die Zeit.)
SAGEN SIE BESSER: Die Trauer wird bleiben, aber der Schmerz wird nachlassen.
(Das ist die Erfahrung
zahlreicher Trauernder.)
SAGEN SIE NICHT: Du bist noch jung. Du kannst viele Kinder kriegen. (Diese Aussage
nimmt das Leid nicht
ernst. Keines der nachgeborenen Kinder kann diesen Verlust ersetzen.)
SAGEN SIE BESSER: Es ist wohl das Schlimmste, was Eltern passieren kann, wenn
sie ihr Kind zu Grabe tragen müssen. (Es bringt zum Ausdruck, dass man
sich Gedanken über den Verlust eines Kindes macht. Man
zeigt Verständnis.)
SAGEN SIE NICHT: Du musst den Verstorbenen loslassen. (Man sagt damit, dass
man nicht mehr trauern
solle. Das ist eine Über-Forderung.)
SAGEN SIE BESSER: Den Tod eines geliebten Menschen kann niemand vergessen. (Dem
Trauernden
ist damit der Druck genommen, dass die Trauer irgendwann enden muss.)
SAGEN SIE NICHT: Kopf hoch, das schaffst du schon! (Der Trauernde fühlt
sich mit solchen Worten
in seiner Trauer allein gelassen.)
FRAGEN SIE BESSER: Wie schaffst du das? (Das bringt zum Ausdruck, dass man sich
über die Situation des Trauernden Gedanken gemacht hat und zu dem Ergebnis
gekommen ist, dass es sehr schwer sein muss.)
SAGEN SIE NICHT: Bete zu Gott, dass er dir Kraft gibt, dieses Leid zu tragen.
(Diese Kraft haben Trauernde
oft nicht. Es ist eine Über-Forderung. Oft können sie nur Stoßgebete
der Klage an den Himmel richten.)
SAGEN SIE BESSER: Ich bete zu Gott, dass er dir Kraft geben möge, dieses
Leid zu tragen. (Der Trauernde
muss nichts tun. Er wird zum Beschenkten.)
(Aus dem zweimal jährlich erscheinenden Magazin ewig Forum für
Gedenkkultur, Ausgabe 4/07)
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