| |
Frauenklinik am Klinikum Kassel
|
| Dr.Trzeja |
Oberärztin der Frauenklinik |
| PD Dr. Th. Dimpfl | Direktor der Frauenklinik 3040 |
| Prof. Dr. J. Rüschoff | Direktor der Pathologie 3200 |
| Herr Pfarrer Truß | Leiter der Klinikseelsorge 2822 |
| Frau Pfarrerin Bolz | Klinikseelsorge 2822 |
| Frau Steier | katholische Gemeindereferentin 2820 |
| Frau Miehle | Sozialdienst 2800 |
| Frau Christa Harsch | Oberhebamme 3121 |
| Frau Klein | Pflegedienstleiterin Gynäkologie & Geburtshilfe 2309 |
| Pflegedirektorin / Geschäftsführung 2300 |
|
| Herr Rehs | Leiter der Friedhofsverwaltung Kassel 9839519 |
Würdiger Umgang mit Fehl- & Totgeburten am Klinikum Kassel
Eine Fehlgeburt ist ein häufiges Ereignis. Ca. jede 3. festgestellte Schwangerschaft
endet nicht mit der Geburt eines lebenden Kindes sondern als Fehlgeburt oder
seltener als Totgeburt. In unserer Gesellschaft findet das Thema Tod wenig Raum.
Und es gibt in der deutschen Sprache keinen eigenständigen Begriff für
Eltern, die ein Kind verloren haben. Die meisten der Fehlgeburten ereignen sich
in den ersten Schwangerschaftswochen. Auch die Pränataldiagnostik stellt
Paare vor die Situation, dass sie schon in der Frühschwangerschaft von
Fehlbildungen und Chromosomenveränderungen, die zu schwersten Schäden
führen oder nicht mit dem Leben außerhalb des Mutterleibs vereinbar
sind, wissen. Ab dem ca. 4. Schwangerschaftsmonat werden im Mutterleib abgestorbene
Kinder auf normalem Weg geboren. In unserer Klinik kommt das zwischen 30 und
50 mal pro Jahr vor. Dieses ist für die betroffenen Frauen ein Erlebnis,
was meist das ganze Leben in Erinnerung bleibt. Auch die Nachgeburt muss vollständig
entfernt werden.
Die Frauen verlassen meist am nächsten Tag die Klinik und sind mit der
Verarbeitung der Erlebnisse auf sich selbst und die Familie gestellt.
Besonders wichtig ist das Abschiednehmen. Wir raten den betroffenen
Frauen, sich die totgeborenen Kinder anzuschauen, ggf. auch zu berführen.
Das ist oft in der Situation ein schwerer Schritt.
Wenn die Frauen nach diesem Ereignis nach Hause gehen, ist die Verarbeitung nicht abgeschlossen, sie beginnt erst. Und oft kommen erst nach Wochen oder Monaten die quälenden Fragen. Und eine dieser Fragen ist: Was ist mit dem Kind geschehen?
Und nicht selten trifft im Krankenhaus das auf diese Situation hilflose und unvorbereitete Elternpaar auf ebenso hilfloses medizinisches Personal. Deshalb erscheint es wichtig, das Thema Fehlgeburt und Tod eines Kindes nicht tot zu schweigen, die Mitarbeiter in der Klinik vorzubereiten und ihnen eine Leitlinie in die Hand zu geben. Wertvoller als Beruhigungsmedikamente sind sicher Gespräche und eine gehaltene Hand. Wichtig ist es, auf Fragen nicht ausweichend zu antworten.
| Lebendgeborenes | nach dem Scheiden vom Mutterleib Herzschlag und/oder Nabelschnurpulsation und/oder natürliche Lungenatmung |
| Totgeborenes | nach dem Scheiden vom Mutterleib weder Herzschlag noch Nabelschnurpulsation noch natürliche Lungenatmung, das Gewicht der Leibesfrucht beträgt allerdings mindestens 500g |
| Fehlgeborenes | nach dem Scheiden vom Mutterleib weder Herzschlag noch Nabelschnurpulsation noch natürliche Lungenatmung, das Gewicht der Leibesfrucht beträgt allerdings weniger als 500g |
Es gibt gesetzliche Regelungen. Für Lebend- & Totgeburten besteht
Bestattungspflicht. Fehlgeborene von weniger als 500g und Föten bei medizinischer
Abruptio müssen nicht beerdigt werden. Auf Wunsch der Eltern können
aber auch diese Kinder beerdigt werden. Darauf soll immer hingewiesen werden.
Es wird durch den Arzt eine formlose Fehlgeburten-Bestätigung ausgestellt.
Es kommen jedoch auch dann alle Kosten einer Beerdigung auf die Eltern zu, weswegen
dieser Schritt nur von den wenigsten begangen wird. Bisher werden die Fehlgeburten
entsorgt als Kliniksondermüll. Das ist für die Betroffenen
eine quälende Vorstellung.
Und das soll es jetzt am Klinikum Kassel nicht mehr geben. Wir werden auch die
Fehlgeburten würdevoll bestatten und den betroffenen Paaren einen Ort schaffen,
an dem sie ihre Trauer verarbeiten können. Und es entstehen für sie
keinerlei Kosten.
Bei Fehlgeburten wird kein Totenschein ausgestellt. Die Fehlgeburten können
in der Pathologie untersucht werden. Alle Eltern werden nach ihrem Willen gefragt.
Kein Kind wird gegen den Willen der Eltern obduziert. Auf dem gelben Obduktionsschein
wird der entsprechende Wunsch der Eltern angekreuzt.
Wir weisen die Eltern auf die Initiative Regenbogen hin. Diese Initiative ist ein gemeinnütziger Verein von Elternpaaren, die ein Kind verloren haben.
|
Hauptgeschäftsstelle:
|
Barbara Künzer - Riebel Burgstr. 6 73614 Schorndorf Tel.: 07181-21275 |
Die Bestattung einer Leibesfrucht, für das nicht die gesetzliche Bestattungspflicht
besteht, wird grundsätzlich vom Krankenhaus auf dem Hauptfriedhof Kassel
in der geschaffenen Grabstelle vorgenommen. Eine ~Entsorgung als Krankenhaussonderabfall
entfällt in jedem Fall. Es wird ein Konzept erarbeitet, welches als Richtlinien
für jeden Mitarbeiter nachlesbar und verbindlich ist.
Es besteht die uneingeschränkte Unterstützung der Mitarbeiter der
Frauenklinik, des Institutes für Pathologie, der Klinikseelsorge, der Klinikverwaltung
sowie der Kasseler Friedhofsverwaltung.
Die Patientin wird bei Aufnahme in die Klinik wenn irgendwie möglich ohne Zuzahlung in einem Einzelzimmer untergebracht. Ihr Partner oder eine andere Vertrauensperson kann jederzeit bei ihr sein. Gerade eine Fehlgeburt stellt für eine Partnerschaft oft eine schwere Probe dar. Deshalb soll dem Paar die Gelegenheit zur Gemeinschaft in dieser schweren Situation gegeben werden. Auf räumliche Trennung zur geburtshilflichen Abteilung wird geachtet. Es werden Gespräche angeboten. Wir raten, das verstorbene Kind anzuschauen, ggf. auch zu berühren. Nicht immer finden die Eltern die Kraft, diesen Schritt gleich zu unternehmen. Die Frau ist von der Geburt und der ggf. erfolgten Narkose geschwächt und angstvoll bei dem Gedanken an ihr totes Kind. In diesem Fall soll nach einigen Stunden oder am nächsten Tag noch einmal in einem ruhigen Gespräch mit Arzt, Hebamme, Krankenschwester oder Seelsorger das Angebot gemacht werden. Keine Frau wird überredet. Der Wille des Paares wird stets akzeptiert. Die toten Föten werden in Moses-Körbchen aufbewahrt und transportiert. Die Kinder verbleiben zunächst 1 bis 2 Tage im Kühlschrank im Kreißsaal. Es werden den Eltern und anderen Familienmitgliedern Zeit, Intimität und entsprechende Räumlichkeit zum Abschiednehmen eingeräumt. Die Erfahrung zeigt, dass den Frauen, die ein Kind geboren und dieses nie gesehen haben, das Abschiednehmen oft niemals gelingt. Es wird ein Foto von dem Kind gemacht. Die Eltern erhalten eine Karte mit Foto und Fußabdruck des Kindes. Die Fotos von den Eltern, die dieses nicht haben möchten, verbleiben in einer Elternmappe.
Die toten Föten werden in der Prosektur des Institutes für Pathologie in einer Tiefkühltruhe gesammelt. Die klinikeigene Schreinerei stellt auf Anforderung einen Holzbehälter zur Überführung in das Krematorium zur Verfügung. Die Überführung wird kostenlos durch ein Bestattungsunternehmen vorgenommen. Entsprechende Abreden wurden durch den Prosektor getroffen.
Allen Patientinnen mit Fehl- oder Totgeburt wird die Begleitung durch die Klinikseelsorge
angeboten. Für jede Patientin besteht die Möglichkeit der Betreuung
durch die Mitarbeiter(innen) der Klinikseelsorge in unserer Klinik - auch nach
der Entlassung kann eine Vermittlung von Kontakten zur Gemeinde angeboten werden.
Dies gilt grundsätzlich für alle Patientinnen -unabhängig von
ihrem Glauben, der Religionszugehörigkeit bzw. ihrer sozialen Stellung.
Die seelsorgerliche Betreuung in der Frauenklinik wird von Pfarrern Bolz und
Frau Steier (katholische Gemeindereferentin) übernommen.
Es besteht des weiteren die Möglichkeit, dass die Eltern durch den Sozialdienst
unsers Hauses betreut und beraten werden. Frau Miehle hilft auch bei der Krisenbewältigung.
Die Grabstätte soll für die Betroffenen ein Ort der Besinnung und
der Trauer sein und befindet sich auf dem Hauptfriedhof Kassel. Die Friedhofsverwaltung
stellt kostenlos eine Grabstätte von 3 mal 3 Metern zur Verfügung.
Diese wurde bereits angelegt und mit Natursteinen eingefasst. Sie befindet sich
im Friedhofsabschnitt 56 nahe der Kindergrabstätten. Ansprechpartner in
der Friedhofsverwaltung ist der Leiter Herr Rehs.
Am Rand der Grabstelle wurde eine ca. 2 m2 große, mit Naturstein gepflasterte
Fläche angelegt, auf der Platz für eine Blumenschale oder auch Blumen
der trauernden Eltern ist.
Es wird durch die Friedhofsverwaltung kostenlos die Sandsteinskulptur mit der
Hirtenfigur mit zwei Schafen zu dessen Füßen und einem Schaf auf
den Schultern überlassen. Die Grabstätte befindet sich unmittelbar
davor. Die Sandsteinfigur steht vor einer Hecke und diese wurde freigeschnitten.
Dadurch entsteht ein optisch sehr ansprechendes Bild. Auf ein Vorrücken
der Figur wurde bewusst verzichtet.
In der Steinmetzinnung wurde am 03.06.2002 das Thema besprochen. Es wurde dann
ein entsprechender und zur Sandsteinfigur passender Grabstein gestellt und mit
einer Aufschrift versehen. Den Grabstein der Grabstätte für Fehlgeburten
auf dem Kasseler Hauptfriedhof wurde gefertigt und finanziert von der Arbeitsgruppe
Kasseler Steinmetze in der Steinmetz- und Bildhauer- Innung Hessen-Nord
von den folgenden Firmen:
Betz - Wehlheiden
Gerloff Hauptfriedhof
Krieger - Hauptfriedhof
Kronibus - Hauptfriedhof
Kunze - Vellmar (Stellvertr. Obermeister)
Marmorbau - Bettenhausen
Ravn - Niederzwehren
Rode - Lohfelden
Siebert - Niederzwehren
Siegner - Harleshausen
Witzel - Bettenhausen
Die Kosten werden von den Steinmetzen getragen, Arbeitszeit wird nicht berechnet.
Für die Klinik entstehen keine Kosten.
Beauftragter der Steinmetz-Innung für die Kasseler Friedhöfe ist:
Steinmetzmeister Uwe Kunze
Triftstr. 77
34246 Vellmar
Tel.: 821423
| Die Aufschrift lautet: | Unter dem Schatten deiner Flügel finde ich Zuflucht. Ps. 57,2 |
Ich habe mit dem Vorsitzenden der Kasseler Friedhofsgärtnerinnung Herrn
Siebrecht gesprochen und von dem Vorhaben informiert. Es wurde Anfang Juli 2002
in der Sitzung der Friedhofsgärtnerinnung besprochen. Für das Anlegen
der Grabstelle sollte ein Betrag von ca. 600 £ und für die Grabpflege
jährlich ca. 200 € anfallen. Diese sollten durch Spenden der betroffenen
Eltern finanziert und an die Gärtnerei Siebrecht weitergeleitet werden.
Von diesem Angebot habe ich Abstand genommen, weil die Preise sehr hoch erscheinen
und das nicht dem Vorhaben entspricht. Für die betroffenen Eltern dürfen
keine Kosten entstehen und die Aufforderung zu einer Spende wird es nicht geben.
Die Landschaftsgärtnerei Friedrich aus Fürstenwald übernahm nun
die Anlage und Gestaltung der Grabstelle ohne Berechnung von Arbeitskosten.
Die zur Bepflanzung nötigen Blumen und Pflanzen wurden zum Einkaufspreis
ohne Aufpreis zur Verfügung gestellt. Die Gesamtkosten belaufen sich so
auf unter ca. 200 €. Diese werden von der Verwaltung des Klinikum Kassel
getragen.
Die Grabpflege wird durch die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung kostenlos übernommen.
Es wurde ein Formblatt entworfen, in dem die wichtigsten Informationen
übersichtlich aufgelistet sind. In einem Sammelordner werden so die
Personalien der Patientinnen und Daten der Föten gesammelt. Er wird im
Kreißsaal in der Fehlgeburtenmappe aufbewahrt.
Die betroffenen Kinder werden in der Prosektur im Institut für Pathologie gesammelt und gemeinschaftlich beigesetzt. Dies geschieht im Rahmen einer Gemeinschaftsbeisetzung dreimal im Jahr. Die Termine werden in Absprache mit der Klinikseelsorge und der Friedhofsverwaltung in einem ca. 4-Monats-Abstand festgelegt. Diese Termine werden der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt, sondern nur den Betroffenen.
Die Föten werden im Krematorium am Hauptfriedhof gemeinschaftlich eingeäschert und die Asche in einer Urne beigesetzt. Die Urne wird von der Friedhofsverwaltung kostenlos gestellt.
Es wird eine Trauerfeier in der Urnenhalle des Hauptfriedhofes Kassel gestaltet, zu der die betroffenen Eltern durch ein Anschreiben der Frauenklinik zeitnah zum Krankenhausaufenthalt eingeladen werden. Diese findet dreimal pro Jahr statt. Ein Mitarbeiter der Frauenklinik sollte ebenfalls anwesend sein. Die Eltern werden auf Wunsch über den Beisetzungstermin informiert. Die Mitarbeiterinnen der Klinikseelsorge begleiten und gestalten die Beisetzung.
Es werden und wurden die Mitarbeiter der Frauenklinik nochmals zu diesem Thema
sensibilisiert. Es werden und wurden Informationsveranstaltungen durchgeführt.
Das Thema wurde in der Klinikkonferenz der Frauenklinik vorgestellt. Eine Informationsmappe
wird für alle Stationen der Frauenklinik bereitgestellt.
Die Mitarbeiter und Patienten des Klinikum Kassel werden informiert.
Wichtig erscheint auch die Information der Bevölkerung. Es sollen Artikel
in der Presse erscheinen. Eine Pressekonferenz auf dem Hauptfriedhof wird von
der Pressestelle des Klinikum Kassel sowie des Evangelischen Pressedienstes
organisiert.
Das Thema soll nicht tot geschwiegen werden. Es betrifft sehr viele.
OA Dr. M. Freude 23.10.2002
Rechtliches Impressum an mich |