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Vortrag vor Hebammen

Die rechtlichen Angaben stimmen so nur für Baden-Württemberg.

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Definitionen Termine in Karlsruhe Verständnis für Trauernde
Bestattungsrecht in BW Kosten in Karlsruhe Umgang mit verwaisten Eltern
Bedeutung des Grabes    

 
Definitionen

Mensch Menschsein beginnt mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle.
Person Das Personenstandsgesetz (PstG) legt fest, dass eine Person mit einem Gewicht von 500 Gramm eines toten Menschen beginnt.
Embryo Embryo wird das Kind bis zur 12. SSW genannt.
Fötus Fötus wird das Kind ab der 12. SSW genannt.
Lebendgeburt Ein lebendig geborenes Kind, unabhängig vom Gewicht, Alter und der Lebensdauer.
Frühgeburt medizinisch: Ein lebend geborenes Kind bis zur Vollendung der 37. SSW.
Frühgeburt arbeitsrechtlich: Ein lebend geborenes Kind mit weniger als 2.500 Gramm.
Frühchen Ein lebend geborenes Kind, das vor der Vollendung der 38. SSW geboren wurde (ð Frühgeburt, medizinisch).
Entbindung medizinisch: Abtrennung des Kindes vom mütterlichen Organismus.
Entbindung arbeitsrechtlich: Abtrennung des Kindes vom mütterlichen Organismus bei einer Lebendgeburt oder einer Totgeburt.
Frühabort Tod des Kindes bis zur 12. SSW. – Wenn Kind und Nachgeburt nicht auf natürlichem Wege abgehen, muss eine Ausschabung – zuweilen auch unter Vollnarkose – vorgenommen werden.
Spätabort Tod des Kindes nach der 12. SSW. - Das tote Kind wird meist über eine eingeleitete Geburt zur Welt gebracht.
Fehlgeburt stillgeborenes Kindes mit weniger 500 Gramm
Totgeburt totgeborenes Kindes bei über 500 Gramm (ab ca. 20. SSW)

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Bestattungsrecht von Baden-Württemberg

§ 20 Leichenschaupflicht
(1) Menschliche Leichen und Totgeburten (Leichen) sind zur Feststellung des Todes, des Todeszeitpunktes, der Todesart und der Todesursache von einem Arzt zu untersuchen (Leichenschau) .
§ 30 Bestattungspflicht
(1) Jede Leiche muß bestattet werden.
(2) Fehlgeburten, die nicht bestattet werden, und abgetrennte Körperteile sind hygienisch einwandfrei und dem sittlichen Empfinden entsprechend zu beseitigen, soweit und solange sie nicht wissenschaftlichen Zwecken dienen.

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Bedeutung des Grabes

Bedeutung des Grabes
in %
einen Ort der Nähe zum Kind haben
32,8
bedeutet sehr viel
23,2
Möglichkeit des Abschiednehmens
20,1
einen Ort der Trauer haben
20,1
wissen, wo das Kind ist
18,4
das Grab ist sehr wichtig
15,2

Bei einer Umfrage unter über 100 verwaisten Müttern war nur einer Frau die Beerdigung nicht wichtig.
Allen anderen Frauen war die Bestattung und das Grab (sehr) wichtig. Für sie ist das Grab ein Ort der Trauer und der Möglichkeit des Abschiednehmens (je 20-33 %), aber auch ein Ort, an dem sich die Eltern ihnem Kind nahe fühlen. Sie wissen, hier liegt unser Kind.

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Die Termine der Trauerfeier und Beerdigung im Jahreskreis

Jan

Feb

März

April

Mai

Juni

Juli

Aug

Sept

Okt

Nov

Dez

 

 

 

Ostern

 

 

 

Urlaub

 

 

 

Weih-
nachten

Die Termine der Trauerfeier und Beerdigung der fehlgeborenen Kinder entstanden in Karlsruhe in Anlehnung an den liturgischen Jahreskreis. Sie orientieren sich an Ostern und Weihnachten sowie der Urlaubszeit. Somit ergeben sich die Termine

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Kosten der Bestattung in Karlsruhe

Die Kosten der Sammelbestattung (jährlich 3 Mal) übernehmen die Träger der beteiligten Einrichtungen (Städtisches Klinikum, St-Vincentius-Kliniken, Stadt Karlsruhe). Somit entstehen für die verwaisten Eltern für die Sammelbestattung keine Kosten.

Eltern, die ihr stillgeborenes Kind selbst bestatten wollen bzw. müssen (bei mindestens 500 Gramm), haben die anfallenden Kosten selbst zu tragen.

A) Wahlmöglichkeiten der verschiedenen Gräber

ca. 65,- Euro a) Anonymes Grabfeld die Fläche kann nicht gestaltet werden, da Rasenfläche
ca. 65, - Euro b) Kleinstkinderfeld persönliches Grab, freie Gestaltung der Grabfläche und der Trauerfeier; es besteht Pflicht zur Grabpflege, kann nach 6 Jahren wieder abgegeben werden
ca. 310,- Euro c) Kinderfeld persönliches Grab für 15 Jahre, Pflicht zur Grabpflege

B) Weitere feste Kosten für eine Beerdigung

ca. 130,- Euro Grab öffnen und schließen, Beerdigung
ca. 150,- Euro Kosten für den Bestatter (Fahrt, Sarg, ...)

C) Wahlmöglichkeiten der Bestattung

ca. 90,- Euro Benutzung der Leichenhalle
ca. 250,- Euro Benutzung der Friedhofskapelle für Trauerfeier

Für Eltern von stillgeborenen Kindern und anderen kleinen toten Kindern gilt:

Für Eltern von totgeborenen Kindern (mind. 500 Gramm) gilt:

Für Eltern von fehlgeborenen Kindern (weniger als 500 Gramm) gilt:

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Verständnis für Trauernde

Sprache ist unser vorrangiges menschliches Kommunikationsmittel. So sehr sie sich für den Austausch von begreifbaren Dingen eignet, so sehr versagt sie, wenn es um Gefühle, Empfindungen und Emotionen geht.

Wie erkläre ich einem Blinden die Farbe rot? oder Wie beschreibe ich einem tauben Menschen die Musik? Wie will ich einem Menschen den Schmerz und die Trauer um ein ungeborenes Kind vermitteln, der bisher nur um ältere Menschen getrauert hat?

Es scheint eine unlösbare Aufgabe zu sein, und doch gibt es Lösungsansätze. Sie stammen aus dem Bereich der Kommunikationswissenschaft. Das Prinzip ist sehr einfach: Es wird nach einer gemeinsamen Schnittmenge der gemachten Erfahrungen gesucht. Solange keine gemeinsame Schnittmenge vorhanden ist, können Gefühle, Empfindungen und Emotionen nicht vermittelt werden.

 

Erst wenn eine gemeinsame Schnittmenge vorhanden ist, kann darüber der Austausch stattfinden. Je größer die gemeinsame Schnittmenge ist, desto intensiver kann der Austausch hierüber erfolgen.

Um den Menschen, die nicht die Erfahrung eines toten Kindes vor oder während der Geburt gemacht haben, Hilfestellungen zur Hand zu geben, mit denen sie den Empfindungen nahe kommen können, habe ich einige Beispiele zusammengetragen. Es sind Beispiele! Als solches können Sie nur ein Abbild dessen wiedergeben, was verwaiste Eltern empfinden. Sie alle haben ihre Stärken und ihre Schwächen. Wählen Sie für sich das Beispiel aus, das Ihnen am dienlichsten ist.

Eine allgemein gemachte Erfahrung ist das Spiel „Mensch ärgere dich nicht“. Sieger ist, wer als Erster alle seine vier Spielfiguren ins Ziel gebracht hat. Wird jedoch die eigene Figur hinausgeworfen, ist die Hoffnung und Spielfreude dahin. Die Mitspieler „trösten“ einen mitunter mit den Worten: „Mensch, ärgere dich nicht!“

Da dieses Würfelspiel zahlreiche Parallelen zu den Situationen der verwaisten Eltern besitzt, werden hier die wichtigsten aufgezeigt. Die Gegenüberstellungen, die auf alle Paare zutreffen sind farblich gekennzeichnet:


Mensch ärgere dich nicht!

Situation der verwaisten Eltern

A

Alle Spieler haben bereits eine Spiefigur im Rennen. Die eigenen Spielfiguren stehen noch am Start. Trotz aller Hoffnungen bekommt man keine 6 gewürfelt.

Viele Paare im Verwandten- und Bekanntenkreis haben bereits ein oder mehrere Kinder. Das Paar nun auch diesen Kinderwunsch. Doch dieser geht (noch) nicht in Erfüllung. Einige Paare nehmen daher auch medizinische Hilfe in Anspruch.

B

Nach jedem erneuten gescheiterten Versuch, eine 6 zu würfeln muss man warten, bis man selbst wieder an der Reihe ist.

Jeder Misserfolg, schwanger zu werden, zwingt die Frau dazu, bis zum nächsten Eisprung zu warten. Dann kann erst der nächste Versuch starten.

C

Endlich hat man es geschafft. Die erste eigene Spielfigur ist im Rennen. Voller Hoffnung würfelt man mit ihr dem Ziel entgegen.

Die Frau ist schwanger. Diese erste Hürde ist geschafft. Sie freut sich (mit ihrem Partner) auf die Geburt des heranwachsenden Kindes.

D

Die eigene Spielfigur wird von einem Mitspieler hinausgeworfen. Man steht wieder am Anfang.

Das Kind stirbt nach einigen Wochen oder Monaten im Mutterleib ab. Die Mutter verliert damit ihr Kind.

E

Man ärgert sich und ist enttäuscht, dass die Spielfigur wieder am Start steht.

Verwaiste Eltern trauert um ihr Kind, auf das sie sich so sehr gefreut hat.

F

Die Mitspielter sagen: „Mensch ärgere dich nicht“

Einige Mitmenschen sagen: „Du bist noch jung. Du kannst noch Kinder kriegen.“

G

Man fühlt sich unverstanden und erneut verletzt. Man versucht seine Wut und seinen Ärger nicht zu zeigen.

Verwaisten Eltern fühlen sich damit nicht getröstet, sondern nur noch tiefer verletzt. Sie ziehen sich zum Selbstschutz vor weiteren Verletzungen zurück.

H

Man sieht, wie die Mitspieler einige ihrer Figuren im Ziel haben und wird neidisch darauf.

Verwaiste Eltern schmerzt der Anblick anderer Kinder, insbesondere von denen, die im Alter ihres verlorenen Kindes sind.

I

Die Schritte C bis H können sich mehrmals wiederholen.

dto.

J

Das Spiel ist zu Ende, weil der erste oder alle Spieler alle seine/ihre Figuren ins Ziel gebracht hat/haben oder die gesetzte Zeit verstrichen ist.

Die biologische Uhr der Frau ist abgelaufen. Sie kommt in die Wechseljahre und kann nun nicht mehr schwanger werden. Damit ist ihr Wunsch auf ein eigenes (weiteres) Kind unerfüllt geblieben.

K

Es ist ein Spiel.

Es ist das Leben.

L

Es geht um eine Spielfigur.

Es geht um ein Menschenleben.

Über allem gilt: Um über dieses Hilfsmittel verwaiste Eltern in ihrer Situation überhaupt verstehen zu können, bedarf es vor allem dem Willen, die verwaisten Eltern verstehen zu wollen. Ohne Empathie und der Bereitschaft des Einfühlenwollens nutzt alles andere nichts.

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Umgang mit verwaisten Eltern

verletzende Sätze: Umfeld
in %
Du bist noch jung
34,3
Du kannst noch andere Kinder kriegen.
27,2
Sei froh, es war bestimmt behindert.*
17,6
Du hast doch (schon) Kinder.
15,2
(Vielleicht) war es besser so.*
12,8
Wer weiß, wofür es gut war.
11,2
Sei froh, ...*
10,4

Die durch das soziale Umfeld erfahrenen seelischen Verletzungen nach einer Fehl- und/oder Totgeburt lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Jede 4. verwaiste Mutter bekommt zu hören „Du bist noch jung.“, jede 5. den Satz „Du kannst noch andere Kinder kriegen.“ Oft wurden diese beiden Sätze in Kombination genannt. Es drückt eine Negation des Verlustes aus mit dem Hinweis, dass sie es einfach wieder probieren solle. Mit ihren jungen Jahren sei dies doch kein Problem, so in den Augen der Sprecher.
Besonders hart dürften die mit * gekennzeichneten Reaktionen aus dem sozialen Umfeld der Eltern sein. Sie verlangen von ihnen, dass sie den Schmerz als etwas Positives sehen sollen. Von der Hälfte der Frauen wird mit diesem Satz "Sei froh, ..." erwartet, dass sie über den Tod ihres Kindes froh sein soll.

verletzende Erfahrungen in Klinik
 
"Sie sind jung, sie können noch Kinder kriegen."
16,1
zu wenig Info über Geburtsverlauf
9,6
Gespräche fehlten
8,8
keine seelische Betreuung
8,1
keine Info über Bestattung
8,1
rundherum mit der Klinik zufrieden
16,1

Die in der Klinik erfahrenen seelischen Verletzungen der verwaisten Mütter sind breiter gestreut als beim sozialen Umfeld verwaister Mütter. Wie dort steht obenauf der Satz "Sie sind jung, sie können noch Kinder kriegen.". Jede 6. verwaiste Mutter bekommt ihn zu hören. Jede 10. verwaiste Mutter bekommt zu wenig Info über den Geburtsverlauf, vermisst Gespräche, erhielt keine seelsiche Betreuung und bemängelt, dass sie keine Info über die Möglichkeit der Bestattung ihres stillgeborenen Kindes erhalten hat. - Nur jede 6. verwaiste Mutter war mit dem Umgang des medizinischen Personals bei ihrer Tot- bzw. Fehlgeburt rundherum zufrieden.

als hilfreich erfahren
in %
darüber reden lassen
20,1
zuhören
19,2
in den Arm nehmen
12,8
einfach nur für sie da sein
12,1
Geduld mit der Trauer haben
10,4

Die durch das soziale Umfeld erfahrenen Hilfen nach einer Fehl- und/oder Totgeburt lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Rund der Hälfte der verwaisten Eltern wollen einfach über das Erfahrene sprechen. Sie erfahren dies als besonders hilfreich. Darüber hinaus erwarten sie von ihrem Umfeld Anteilnahme und Verständnis.
Besonders wichtig ist ihnen auch, dass die Trauer nicht nach einem fahrplanmäßigen Schema verlaufen muss und in einem halben oder ganzen Jahr vorbei zu sein hat. Trauer um einen geliebten Menschen kennt keine Zeit.
Jeder 8. Frau ist nach dem Verlust ihres Kindes körperliche Nähe sehr wichtig. Dies kommt auch in den zugesandten Texten zum Ausdruck.

erfahrene Hilfen in Klinik
 
Einfühlungsvermögen
30,4
sich in Ruhe vom Kind verabschieden
18,4
Gespräche führen
12,1
Fotos machen
11,2
der Arzt nahm sich Zeit
7,2
Ehemann durfte im Zimmer übernachten
7,2

Die in der Klinik erfahrenen Hilfen waren für jede 3. verwaiste Mutter das Einfühlungsvermögen, für jede 6. verwaiste Mutter das Abschiednehmen vom stillgeborenen Kind, für jede 8. verwaiste Mutter die mit ihr geführten Gespräche, für jede 9 verwaiste Mutter das vom Kind gemachte Foto. Dass sich der Arzt für sie Zeit genommen hat und der Ehemann im Zimmer mit übernachten durfte, war auch für einige verwaiste Mütter eine große Hilfe im Umgang mit dem Tod ihres stillgeborenen Kindes.

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