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Messe 1(Quelle: Krankendienst 4/2002) |
Werner Gutheil
Dieser Artikel beruht auf Erfahrungen, die in mehreren größeren Gemeindegottesdiensten an Sonntagen und zwei umfassenden Gottesdienstzyklen werktags erprobt wurden. Der Autor ist Klinikpfarrer am Klinikum Stadt Hanau und Subsidiar in der Stadtpfarrkirche Mariae Namen, Hanau. Hier wurden die Werktagsgottesdienste angeboten. Zudem ist er in der Arbeitsgemeinschaft Hospiz (AGH), einer regionalen Hospizbewegung mit drei Standorten und vier Hospizgruppen in leitender Funktion tätig und hat in Verbindung mit der Klinikseelsorge am Klinikum Stadt Hanau den Bereich Trauernetzwerk als erweitertes Angebot der AGH aufgebaut.
Im Rahmen der Hospizarbeit in Hanau wurden Angebote für Trauernde geschaffen.
Dabei handelt es sich um Wochenendveranstaltungen, Samstage und Gesprächskreise
als Abendveranstaltungen im Umfang von fünf bis sechs Treffen. Es fehlte
ein niederschwelliges Angebot, an dem Trauernde ohne Anmeldung und ohne Formalität
teilnehmen können. Deshalb wurden in zwei Reihen im Herbst 2001 und im
Frühjahr 2002 Gottesdienste für Trauernde, die dem jeweiligen Gesprächskreis
in der Stadtpfarrkirche Mariae Namen in Hanau vorausgingen, eingeführt,
um den Teilnehmern ein liturgisches Angebot zu ermöglichen. Es hat sich
gezeigt, dass eine eigene, teilweise von den Gesprächskreisen unabhängige
Zielgruppe davon Gebrauch macht. Gerade die Niederschwelligkeit und teilweise
auch Unverbindlichkeit war den Teilnehmer(inne)n hilfreich, sich einem vielleicht
verdrängten und weggeschobenen Thema zu stellen. Angesprochen fühlten
sich von den in Pfarrmitteilungen, regionaler Presse und Veröffentlichungen
des Trauernetzwerkes bekanntgegebenen Terminen besonders Menschen, die sehr
kurzfristig einen Angehörigen verloren hatten. Dabei wurde an die Tradition
der sogenannten Vier- oder Sechswochenämter als Seelenämter angeknüpft,
die im städtischen Bereich sicherlich nicht mehr den Stellenwert haben.
Die Eucharistie ist eng mit dem Totengedenken verbunden. Messintentionen und namentliches Gedenken innerhalb des Hochgebetes sind selbst bei Menschen noch im Bewusstsein, die vielleicht wenig Kontakt zur Kirche haben, aber für ihre Verstorbenen im Todesfall eine Messe bestellen wollen. Selbst wenn Requiems als Sondertermine in der Stadt fast keine Rolle mehr spielen, so ist der persönliche Bezug zur Gemeinde des Verstorbenen und zum Gottesdienst noch im Bewusstsein der Menschen. Im Bereich der Arbeit in der Klinik steht in der Situation des Todes das Viaticum (Kommunion als Sterbesakrament) durchaus als übliche Praxis. Die Verabschiedungsfeiern in der Klinik, bei denen auch die Eucharistie zur Stärkung der Hinterbliebenen angeboten wird, nimmt zu. Der Wunsch nach Verabschiedungsräumen in Kliniken wird immer lauter und fördert dadurch auch die Trauerformen. Selbst im evangelischen Bewusstsein ist die Abkündigung im Rahmen des nächsten Gottesdienstes bekannt. Deshalb erschien es hilfreich, Traditionen aufzugreifen und sie in eine Form zu bringen, die vertraut ist (zumindest für den Verstorbenen) und durch zusätzliche neue Elemente (Symbolhandlung statt gesprochenem Wort) einen ganzheitlicheren Zugang ermöglicht. Auch wenn im Vordergrund stand, den Weg zum Trauergesprächskreis zu erleichtern, zeigt sich, dass diese Gottesdienstform auch Auswirkungen auf das Umfeld hat. Dabei soll die Eucharistie nicht pädagogisch miss- braucht werden. Allerdings haben diese Trauergottesdienste insofern einen pädagogischen Effekt, als momentan Nichtbetroffene durch Informationen in der Ansprache Verständnis für Trauernde entwickeln können. Auch für den Fall, dass sie selbst mit dem Tod in Berührung kommen und selbst zu Trauernden werden, können erste Informationen helfen, mit den auftretenden Gefühlen besser umgehen zu können.
Insgesamt wird es weiterhin künftig vier solche Gottesdienste im Jahr geben, zunächst versuchsweise jeden zweiten Montag im Quartal um 19 Uhr. Zu diesen Gottesdiensten werden (soweit möglich) die Angehörigen der Verstorbenen des zurückliegenden Zeitraumes aus einem bestimmten Gebiet (hier: Stadtpfarrei und St. Josefspfarrei, weil hier eine enge Zusammenarbeit besteht) persönlich und schriftlich eingeladen. Es ist geplant, dass daraus dann sogenannte Stadt-Trauergottesdienste werden, zu denen die Stadt-Pfarreien einladen, um den Aspekt der gemeinsamen Trauer deutlich zu machen. Bewusst wird ein fester Rhythmus eingeführt, der unabhängig vom Trauermonat November im Jahr Akzente setzt. Dabei soll die persönliche Einladung auch die namentliche Nennung der Verstorbenen im Hochgebet ermöglichen, selbst wenn die Liste lang erscheint. Es hat sich gezeigt dass-die- Nennung eines Verstorbenen im Hochgebet einen sehr dichten Moment für die teilnehmen-den Angehörigen darstellt.
Diese Art von Gottesdienst ist nicht zwangsläufig an eine Eucharistie gebunden, sondern ist auch als ökumenischer Wortgottesdienst denkbar. Einmal im Jahr lädt die Arbeitsgemeinschaft Hospiz alle Angehörigen von Verstorbenen ein, die im zurückliegenden Jahr durch einen Hospizhelfer begleitet wurden. Bislang wurden als Symbolhandlung immer Kerzen (Teelichter) verwendet. Dieses Jahr wird das ausbrennende Licht ersetzt durch die aufblühende Rose. Hierbei werden die Namen genannt. In kleinen Gottesdienstgemeinden, wie dies das Krankenhaus darstellt, kann es als zu intensiv empfunden werden, wenn Teilnehmer und Betroffene um die Nennung des Namens des Verstorbenen gebeten werden. Deshalb geschieht dies bei den Hospizbewegungsgottesdiensten stellvertretend durch die Hospizhelfer/innen.
Im Zentrum des Gottesdienstes steht eine Symbolhandlung statt gesprochener Fürbitten. Die Teilnehmer/innen sind eingeladen, wie beim Kommuniongang nach vorne zu kommen, um im Gedenken an jeden Verstorbenen eine Rose in einen mit Moosgrundlage vorbereiteten Korb zu stecken. Folgende Geschichte wird in Variationen in jedem Gottesdienst zur Einleitung erzählt. Die Geschichte ist orientiert an eine chassidische Weisheitsgeschichte, die aber auf die Situation sehr stark verändert wurde. Ich glaube der Tradition einer solchen Geschichte keine Gewalt anzutun, wenn ich sie situationsbezogen erweitere oder verändere und möchte dazu ermutigen, weil sie damit zur persönlichen Geschichte auch des Erzählers wird.
Ein erfahrener Mann, der vor vielen Jahren seine Frau verloren hat, wird von
einem jungen Mann gefragt, der gerade einen Toten zu beklagen hat: Wie
hast du deine Trauer bewältigt? Ich sehe da vor Schmerz kein Land.
Siehst du da den beuligen Korb mit schmutzigen Steinen? Nimm ihn und geh
zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen. Der junge Mann tut dies, kommt
aber sehr bald zurück und fragt erneut: Warum soll ich das tun? Es
ist sinnlos mit einem Korb voller schmutziger Steine Wasser aus einem Brunnen
zu schöpfen. Tu es, es wird deine Muskeln stärken und
der Gang wird immer leichter, bekommt er zur Antwort. Er tut es, kommt
aber wieder nach einiger Zeit zurück und fragt: Warum diese sinnlose
Arbeit? Schau in den Korb, was ist mit den Steinen geschehen? Sind
sie nicht vom Schmutz, dem schlierigen und schlammigen befreit, je häufiger
du diesen Gang an den Brunnen verrichtet hast? Stimmt, es sind die
Tränen, die abspülen, was so schmutzig im Moment des Todes ist und
zudem wird es immer leichter, weil ich meine Kraft wieder spüre
sagt der junge Mann. So ist es mit der Trauer: Sie ist Schwerstarbeit
und erscheint sinnlos, aber sie führt uns immer wieder zu Quellen und stärkt
unsere Kräfte. Nur indem wir uns der Trauer stellen, ihre Schwere wahrnehmen,
merken wir auch, dass die Wege im Laufe der Zeit leichter werden. Wir erkennen,
dass wir wieder Kräfte haben, die Dinge selbst und alleine zu tun, die
vorher der! die Andere getan hat. Das Belastende bleibt, die Trauer und der
Schmerz gehören zum Leben, aber sie sind nicht mehr so schmierig wie vorher,
wenn wir Kraftquellen gefunden haben.. Und schau den Korb an, war er nicht vorher
beulig und hatte Dellen? Ja, so der junge Mann, jetzt
ist er rund, wie das Leben nach einiger Zeit wieder (etwas) runder Wird, weil
man sicherlich lernt, alleine - ohne den Verstorbenen - zu leben.
Und Wasser brauchen wir für die Blumen, die zum Grab getragen werden,
damit das Leben wieder aufblüht, so der erfahrene Mann, der
Tod ist zwar etwas Endgültiges und trennt uns voneinander, aber als Christen
glauben wir, dass uns dann ein neues, ewiges, überirdisches Leben geschenkt
wird. Warum sollte dann nicht etwas in unserer Welt aufblühen?
So ist der Weg zum Grab, das Gießen der Gräber, damit die Pflanzen
blühen können, ein Bild dafür, dass Neues im Ewigen Leben des
Verstorbenen aufblüht und wir, die zurückbleiben, selbst auch aufblühen
dürfen.
So gesprochen, begann der junge Mann weiter den steinigen Korb zum Brunnen zu
tragen, weil er merkte, dass im konkreten Tun die Wege immer leichter werden.
In einem solchen Gottesdienst sollte man auf ausformulierte Texte verzichten, sondern eher, um authentischer zu sein, möglichst frei sprechen. Zur Orientierung hier einige Hinweise, die je nach persönlicher Akzentsetzung erweitert werden können.
Am Beginn jedes Gottesdienstes sollte auf das Symbol hingewiesen werden. Rosen deshalb, weil sie bei der Beerdigung das Einzige sind, was wir in der Hand haben und ins Grab geben. Sie können Symbol sein für unsere Stachligkeit und Verletztheit, die der Tod eines Menschen in uns hat entstehen lassen.
In Gottesdiensten sollte immer das möglicherweise Unversöhnte zwischen dem Hinterbliebenen und dem Verstorbenen angesprochen werden. Dabei sollte aber nicht von der Sündhaftigkeit des Verstorbenen die Rede sein, wie dies in manchen liturgischen Gebeten und Beerdigungstexten der Fall ist. Die Versöhnung ist auch über den Tod hinaus möglich, gerade für die Vergehen, die im Unterlassen des Guten geschehen sind. Von daher hat in einer vertrauten Gottesdienstgemeinde das Schuldbekenntnis seinen Wert, weil dadurch der Gemeinschaftscharakter (so bitte ich euch Brüder und Schwestern für mich zu beten ...) unterstrichen wird. Gleiches gilt für das Kyrie. Es sollten nicht vorschnell österliche Gedanken transportiert werden, sondern der erbarmende Charakter im Vordergrund-stehen. Der Klage an den Kyrios, den Herrn, sollte genügend Raum gegeben werden.
Ein frei formuliertes Tagesgebet ist in diesem Fall geeigneter als ein Messformular. Der Charakter des Kollektengebetes, das heißt der Sammlung der gottesdienstlichen Gemeinde, sollte die Situation der Gottesdienstbesucher ins Wort bringen. Dabei ist oftmals ein Satz oder Gedanke aus dem Eingangslied Formulierungshilfe oder die Geschichten von Besuchern fließen anonymisiert aber konkret ins Gebet.
Findet der Gottesdienst im Rahmen eines Woehenendgottesdienstes statt, so ist das Credo vorgeschrieben. Dann sollte dabei besonders deutlich der Satz: Ich glaube an die Auferstehung der Toten und das Ewige Leben betont werden. Dies ist im Moment vielleicht schwer auszusprechen, wird aber von der ganzen Kirche mitgetragen und kann eine Hilfe sein.
Die Texte wählt man aus nach dem Aspekt, was sie den Menschen an froher Botschaft mitgeben können, ohne in der Ansprache lange ausgelegt werden zu müssen.
In jedem Gottesdienst ist neben einer Kurzeinleitung als Hinführung eine Kurzansprache enthalten. Sie nimmt bezug auf die Lesungstexte oder stellt Informationen in den Mittelpunkt. Informationen, die den Trauernden zeigen, dass ihre momentanen Gefühle normal sind und die dem sozialen Umfeld vermitteln, was in den Trauernden vielleicht vorgeht. Information hilft Missverständnisse abzubauen. Allein deshalb ist mindestens eine Ansprache über die Trauerphasen in einem solchen Gottesdienstzyklus enthalten. In der weiter unten folgenden Gottesdienstübersicht sind einige Stichworte, bzw. Überschriften oder Schwerpunkte benannt. Diese mögen zur Anregung dienen.
Zur Einleitung erfolgt in freier Form die Aufforderung, für jeden Verstorbenen eine Rose in den Korb zu stellen. Dabei spielt die Orgel. Das Ritual wird mit einem gemeinsamen Liedruf abgeschlossen. Bewährt hat sich der im Bistum Fulda bekannte, jeweils dreimal höher gesungene Ruf 906 Milder Heiland Jesus Du, gib den Seelen ew'ge Ruh. Nachdem der Ruf gesungen wurde, wird er im Abschlussgebet nochmals aufgenommen, um das gemeinsame Tun überzuleiten zur Gabenbereitung. Der gefüllte Korb wird dann auf den Altar gestellt, weil Christus unsere Kraftquelle ist. Noch ein praktischer Hinweis: Es sollten für jeden Gottesdienstteilnehmer durchaus mehrere Rosen bereit gehalten werden, weil sich gezeigt hat, dass durch ein solches Gottesdienstangebot über das konkrete Anliegen noch an weitere Menschen gedacht wird. Erfahrungswerte für die bisherigen Gottesdienste an Werktagen zeigen, dass bei 40 Besuchern etwa 80 100 Rosen, bei sonntäglichen Gottesdiensten bei 120 Besuchern durchaus 250 280 Rosen Verwendung finden. (Wir kaufen die Rosen am Markt, so günstig wie möglich. Auch hier entstehen bereits Gespräche über die Thematik mit dem Verkäufer).
Gut sichtbar wird der Rosenkorb nun auf den Altar gestellt, nach Möglichkeit an die Stelle, wo auf dem Altar sonst ein Blumengesteck steht. Erfahrungsgemäß ist es für die Angehörigen ein sehr dichter Moment, wenn ihn Rose, ihr Anliegen so nahe am eucharistischen Geheimnis seinen Platz findet. Diesen Aspekt greift der Priester irr Gabengebet auf. In dem Sinne, dass neben den Gaben auch die Menschen an die wir denken in Form von Roser auf dem Altar einen Platz finden. Beides (eucharistische Gaben und unsere Anliegen und Gedenken an Verstorbene) sollen gewandelt werden in Kraft und Stärke für unser Leben.
Die Auswahl der Präfationen für Verstorbene bieten genügend Vorschläge. Bei der Auswahl sollte man je nach Situation entscheiden, kann aber durchaus innerhalb die Texte Passagen in die momentane Situation hinein deutend verstärken. Die 1. Präfation, in der steht deiner Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen kann dabei ruhig häufiger zur Anwendung kommen.
Statt des gesprochenen Lamm Gottes ist ein Lied an dieser Stelle sinnvoller. Dadurch kann sich der Priester mit Ruhe dem Friedensgruß innerhalb der Gemeinde zuwenden. Die Organisten wissen bereits, dass sie nach einer angemessenen Zeit mit dem Orgelspiel beginnen, auch wenn der Priester noch in der Gemeinde unterwegs ist, um direkten und persönlichen Kontakt aufzunehmen.
Als Kommunionvers ist hier der Satz Der Leib Christ; stärke euch an Leib uns Seele besonders schön. Er kann eigentlich in jedem Krankenhausgottesdienst und auch in der Verabschiedungsfeier bei einer Kommunionfeier verwendet werden: Die Kommunion selbst erfolgt möglichst an der gleichen Stelle, wo vorher die Rosen in den Korb gesteckt wurden. Dies kann nachher bei den VermeIdungen nochmals aufgegriffen werden.
Die Vermeidungen, die in den Trauergottesdiensten in Hanau immer am Ende der Kommunion - nach dem Danklied und vor dem Schlussgebet - stehen, enthalten folgende Hinweise neben konkreten Ankündigungen zu Trauerangeboten (Termine): Der Priester verweist darauf, dass an der Stelle, wo wir losgelassen haben (Ort, wo der Korb stand) auch der Ort ist, an dem wir Stärkung durch die Eucharistie erhalten haben. Der Korb stand am Altar und wird nun am Ende zum Josefsaltar (Josef, Patron der Sterbenden) getragen. Dort bleibt er die ganze Woche stehen, damit andere Menschen an ihrem Anliegen sichtbar Anteil nehmen.
Er macht die Besucher darauf aufmerksam, dass sie ihre Rose vielleicht nicht bis zum Grund des Korbes einstecken konnten und dass die Rosen einander Halt geben, wie sich eine Gemeinschaft Halt geben kann.
Segen und Übertragung zum Josefsaltar
Statt eines Schlussgebetes passt der Segen der Trauernden, weil darin deren Perspektive ausgesprochen und somit eine Bitte um Segen enthalten ist.
Gesegnet seien alle, die mir jetzt nicht ausweichen.
Dankbar bin ich für jeden, der mir einmal zulächelt
und mir seine Hand reicht, wenn ich mich verlassen fühle.
Gesegnet seien die, die mich immer noch besuchen,
obwohl sie Angst haben, etwas Falsches zu sagen.
Gesegnet seien alle, die mir erlauben
von dem Verstorbenen zu sprechen.
Ich möchte meine Erinnerungen nicht totschweigen.
Ich suche Menschen, denen ich mitteilen kann, was mich bewegt.
Gesegnet seien alle, die mir zuhören,
auch wenn das, was ich zu sagen habe, sehr schwer zu ertragen ist.
Gesegnet seien alle, die mich nicht ändern wollen,
sondern geduldig so annehmen, wie ich jetzt bin.
Gesegnet seien alle, die mich trösten und mir zusichern,
dass Gott mich nicht verlassen hat.
O Herr, berge Du uns alle in Deiner Hand;
rühre uns an, mit Deiner Kraft
nimm Du Dich unser an.
Bei Dir bleiben wir im Leben wie im Tod. (Quelle: Unbekannt)
((per E-Mail meldete sich die Verfasserin: Marie-Luise
Wölfing
Ihr gilt mein Dank, dass der Segen weiterhin auf der Seite bleiben darf.))
Die Liedauswahl orientiert sieh am Gotteslob mit dem Diözesananhang von Fulda. Lieder zum Sanktus und Agnus Dei wählt im Regelfall der Organist. Wichtig ist, dass nicht zu schnell durch österliche Lieder der Trauer Raum genommen wird. Die Emmausjünger mussten den ganzen Weg nach Emmaus gehen. Erst dann konnten sie zurückkehren, um Ostern zu verstehen. Dieses Bild sollte man vor Augen haben, um nicht den Weg auf halber Strecke zur österlichen Umkehr zu erzwingen. Menschen, die ihren Trauerweg nicht ganz gehen dürfen, weil die Liturgen vorschnell Ostern hineinbringen, bleiben auf der Strecke. Das Tempo der Schrittfolge muss sich von den Menschen her bestimmen, die wir in einem solchen Gottesdienst begleiten. Außerdem sind Wiederholungen auch von Liedern wichtig. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Gemeinde dieses Lied vertraut ist. Man sollte ein Lied dennoch verwenden, wenn sein Text oder sein Charakter der Situation angemessen erscheinen.
Oh Herr, berge Du uns alle in Deiner Hand; rühre uns an, mit Deiner Kraft
Diese Gottesdienste sind besonders getragen von immer wiederkehrenden, ritualisierten
Elementen. Gerade in Zeiten chaotischer Gefühle sind feste Rituale hilfreich
und können so Orientierung geben. Auch eine mittragende Gemeinde
kann Orientierungshilfe sein. Das heißt, tragende Aufgaben wie Beten und
Singen in Stellvertretung für Trauernde zu übernehmen. Deshalb werden
diese Gottesdienste nicht zu Sonderterminen sondern als Sondergottesdienste
in ohnehin stattfindenden Gottesdienstangeboten gefeiert. Außerdem erleben
sich die Trauernden sowieso als isoliert und würden dann durch einen Sondertermin
zusätzlich isoliert werden. Zudem schafft man so für das gesellschaftlich
verdrängte Thema Sterben, Tod und Trauer einen Platz in einer bestehenden
Gemeinde. So können die angeführten Rituale gerade bei festgefahrenen
Gemeindegliedern helfen, verdrängende Bindungen zu lösen. Außerdem
ist es in der Tradition der Kirche immer üblich gewesen an die Verstorbenen
im Gottesdienst zu denken.
Die nachfolgenden Gottesdienste wurden bereits zweimal gehalten und jeweils der Situation angepasst. Im zweiten Zyklus wurde ein sechster Gottesdienst notwendig, weil das Gesprächskreisangebot sechs Termine umfasste. Hierbei wurde dann ein weiterer Gottesdienst eingeschoben (vor dem fünften Gottesdienst). Der angeführte sechste Gottesdienst wurde in der Adventszeit gefeiert, ist aber sicherlich auch auf die übrige Jahreszeit übertragbar durch Anderung der Liedauswahl, weil er gerade den Außenstehenden vielleicht Hilfen an die Hand gibt, wie man Trauernden begegnen kann.
1. Gottesdienst
Thema: Trauer ist wie Wasserschöpfen mit einem Korb
Titel: anders zurückerhalten (Witwe am Stadttor)
Eingangslied: 621, 1+2
Einleitung: Hinführung zum Schuldbekenntnis
Schuldbekenntnis: beten
Kyrie: V/A 495, 8
Tagesgebet
Lesung: 1 Thes 4,13-18
Zwischengesang: 565,1±3+4
Evangelium: Lk 7,11-17
Ansprache: Geschichte vom Korb (Trauerarbeit= Wasserschöpfen), Trauerarbeit: Rückgabe des Verstorbenen, aber anders (Bezug auf Evangelium)
Fürbitten: GD-Teilnehmer werden eingeladen für einen Verstorbenen eine Blume in eine Schale zu stecken (Symbolhandlung), Orgelmusik, abschließend dreimal mal GL 906
Gabenbereitung: 291, 1
Lied vor dem Segen: 291, 2
Schlussgebet: Segen der Trauernden
2. Gottesdienst
Thema: Gottgewollte Trauer bewirkt Sinnesänderung
Titel: Trauer und Sinnesänderung Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen
Eingangslied: 290, 1+2 Kyrie: 160, 4+6
Tagesgebet
Lesung: 2 Kor 7,8-11
Zwischengesang: 196, 1+2+4
Evangelium: Joh 14,1-6
Ansprache: -Trauer regt zum Nachdenken an - Trauer und Selbstvorwürfe - Trauer, um Sinnesänderung zum Heil zu haben
Fürbitten: GD-Teilnehmer werden eingeladen für einen Verstorbenen eine Blume in eine Schale zu stecken (Symbolhandlung), Orgelmusik, abschließend dreimal mal GL 906
Gabenbereitung: 291, 2
Lied vor dem Segen: 621, 3
Schlussgebet: Segen der Trauernden
3. Gottesdienst
Thema: Trauerphasen
Titel: Reaktionen der Trauernden
Fingangslied: 164, 4 + 5
Kyrie: 168,1+2+4
Tagesgebet
Lesung: 2 Kor 4,7-11
Zwischengesang: 656, 1+3+4
Evangelium: LK 24,13-45 (Auswahl)
Ansprache: Auf dem Weg sein - Trauerphasen
1. Nicht-Wahrhaben-Wollen: Schmerz abspalten, Schockerlebnis;
2. Aufbrechende, chaotische Emotionen: Schmerz-Wut-Angst-Zorn-Schuldgefühle;
3. Phase des Suchens, Sichfindens, Sichtrennens: Leben mit dem Verstorbenen ins eigene Leben hereinholen;
4. Neuer Selbst- und Weltbezug: Beziehungen zu anderen Menschen gestalten sich ambivalent; Wunsch, emotionaler zu sein; Angst vor neuem Verlust, schlechtes Gewissen.
Fürbitten: GD-Teilnehmer werden eingeladen für einen Verstorbenen eine Blume in eine Schale zu stecken (Symbolhandlung), Orgelmusik, abschließend dreimal mal GL 906
Gabenbereitung: 164, 6
Lied vor dem Segen: 839, 5+6
Schlussgebet: Segen der Trauernden
4. Gottesdienst
Thema: Gefühle zeigen - zu den eigenen Gefühlen stehen
Titel: Begegnung mit Trauernden
Eingangslied: 622, 1+3+5
Kyrie: 621, 3
Tagesgebet
Lesung: 2 Kor 4,14- 5,1
Zwischengesang: 840, 3
Evangelium: Joh 11,32-34 (Lazarus)
Ansprache: Eigene Gefühle nicht verdrängen (auch für Umfeld)
- Den Trauernden nicht ausweichen (darauf zugehen)
- Stinkigem nicht ausweichen
Fürbitten: GD-Teilnehmer werden eingeladen für einen Verstorbenen eine Blume in eine Schale zu stecken (Symbolhandlung), Orgelmusik, abschließend dreimal mal GL 906
Gabenbereitung: 620, 1+2+4
Lied vor dem Segen: 840, 5
Schlussgebet: Segen der Trauernden
5. Gottesdienst
Thema: Veränderte Sicht des Toten (Abschlussgottesdienst)
Titel: Sie dachte es ware....
Eingangslied: 220, 2+4 ( Fastenzeit: 166,1)
Kyrie: 820 (V/A) (Fastenzeit: 165, 3+4)
Tagesgebet
Lesung: 2 Kor 5,14-17
Zwisehengesang: 218, 2-4 (Fastenzeit: 220, 3+4)
Evangelium: Joh. 20,1-2.11-18
Ansprache: - sich umdrehen
- andere Sicht der Dinge
- neue Einstellung zum Leben
- Verbundenheit, trotz Trauer
- festgefahrene Bilder greifen nicht mehr
- Angst vor etwas/jemand weggenommen zu bekommen.
Angesprochen werden führt zu neuen Sichtweisen des Lebens.
Fürbitten: GD-Teilnehmer werden eingeladen für einen Verstorbenen eine Blume in eine Schale zu stecken (Symbolhandlung), Orgelmusik, abschließend dreimal mal GL 906
Gabenbereitung: 821, 2 (Fastenzeit: 620, 1+2+4)
Lied vor dem Segen: 821, 4 (Fastenzeit: 295, 2+3)
Schlussgebet: Segen der Trauernden
6. Gottesdienst
Thema: Tauerkleidung nur Äußerlichkeiten (Gottesdienst im Advent)
Titel: Ein Gewand aus Kamelhaar
Eingangslied: 795, 3+4 (adventliche Lieder eventuell ändern)
Kyrie: 103 (V/A)
Tagesgebet
Lesung: Jesaja 1,1-10
Zwischengesang: 105, 3-5
Evangelium: Math. 3,1-12
Ansprache: - Kamelhaar Trauerkleidung, Zeichen für Situation
- Stacheligkeit der Situation
- Ziel des Trauerjahrs: Lernen ohne den Verstorbenen zu leben, Traditionen hilfreich
für Leben, (namentliches) Gedenken wichtig;
- äußere Zeichen sind hilfreich (Blumen); Lesung: Neues blüht
auf im Leben ohne den Partner;
Geschichte vom Korb, mit dem man Wasser schöpfen soll = Bild für Trauerarbeit.
Fürbitten: GD-Teilnehmer werden eingeladen für einen Verstorbenen eine Blume in eine Schale zu stecken (Symbolhandlung), Orgelmusik, abschließend dreimal mal GL 906
Gabenbereitung: 620, 1+2+4
Lied vor dem Segen: 295, 2+3
Schlussgebet Segen der Trauernden
Auch wenn es durchaus Gemeindemitglieder gibt, die ein solches Thema in ihrem Gottesdienst, in ihrer Kirche nicht haben wollen, so kann eine immer kleiner werdende Kirche nur dann überleben, wenn sie der Gesellschaft eine Hilfe anbietet. Die Kultur einer Gesellschaft zeigt sich daran, wie sie mit ihren Toten und mit ihren Trauernden umgeht. Kirche ist Teil der Gesellschaft und sollte damit der gesamten Gesellschaft einer Gemeinde und einer Region helfen, an dieser Stelle Kultur leben zu können. Menschen, die vielleicht jahrelang keine Bindung mehr an eine konkrete Kirchengemeinde hatten, können durch solche Angebote wieder einen Zugang zur Gemeinschaft der Kirche finden. Diese Angebote sollten wir nicht nur im Trauermonat November, in dem der Kriegsopfer auch in unserer Gesellschaft gedacht wird, machen. Allerseelen und sein Grundgedanke, die Verstorbenen nicht zu vergessen, ist nicht auf den Allerseelentag und den Friedhofsgang beschränkt, sondern Bestandteil jeder Eucharistiefeier.
Zum Bild:
Manchmal sagen Gesten mehr. Oft fällt es schwer, die Trauer in Worten auszudrücken.
In diesem Trauergottesdienst können die Trauernden für jeden Verstorbenen,
dessen sie gedenken, eine blühende Rose in einen Korb stecken: ein Symbol
dafür, dass Neues aufblüht im Ewigen Leben des Verstorbenen
und auch im Leben der Hinterbliebenen.
Werner Gutheil ist Klinikpfarrer am Klinikum Stadt Hanau, Subsidiar in der
Stadtpfarrkirche Mariae Namen sowie Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Hospiz
des Caritasverbandes für den Main-Kinzig Kreis.
(Quelle: Krankendienst 4/2002)
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