Forum / Alben / Refugio

Unterschiedliche Kommunikation
von Mann und Frau


Hilfen / Infos / e-card / Tipp

Geschechtsspezifische Unterschiede in der Trauer Zitate aus der Fachliteratur
weitere Beispiele geschlechtsspezifischer Unterschiede Männersprache und Frauensprache
praktische Beispiele andere Länder, andere Sitten
  Was steckt dahinter? Was ist gemeint?

In Umfragen unter verwaisten Müttern wird die Trauer er Ehemänner und Partner sehr unterschiedlich beschrieben. 8 % der Frauen wiesen darauf hin, dass es ihnen beim Erhalt ihrer Ehe geholfen hat, die andere Trauer des Partners zu akzeptieren.

Bücher wie "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken - Ganz natürliche Erklärungen für eigentlich unerklärliche Schwächen" von Allan und Barbara Pease stellen in amüsanter Weise die unterschiedliche Form der Kommunikation zwischen Mann und Frau dar.

Auf diesem Hintergrund werden nachfolgen grundsätzliche Unterschiede zwischen Mann und Frau als Thesen aufgestellt. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass es femenistische Männer und masculine Frauen gibt, ebenso das gesamte Spektrum dazwischen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Trauer

Wenn es auch im deutschsprachigen Raum noch keine genaueren Untersuchungen darüber gibt, wie unterschiedlich Männer und Frauen um ihre stillgeborenen Kinder trauern, so ist es doch Faktum, dass die Trauer meist sehr geschlechtsspezifisch ge- und erlebt wird. Dies kann für die Partnerschaft sehr belastend werden.

In Form der Schwarz-Weiß-Malerei werden nachfolgend typisch männliche und weibliche Verhalten gegenübergestellt. Damit treten die geschlechtsspezifischen Unterschiede deutlicher hervor. Im konkreten Einzelfall weichen sie oft davon ab. Diese geschlechtsspezifische Gegenüberstellung soll Ihnen dabei helfen, Ihren Partner bzw. Ihre Partnerin in dessen/deren Trauerverhalten besser zu verstehen.

Diese Tabelle soll helfen, die geschlechtlichen Unterschiede besser zu verstehen.

Mann
Frau
Männer denken und handeln zielstrebig. Sie denken und handeln lösungsorientiert. Bei Schmerz und Trauer versuchen Männer, irgendwie damit fertig zu werden. Sie verwenden Strategien an, die ihnen den Schmerz und die Trauer nimmt. Die typisch männlichen Lösungen sind hierbei: Verdrängen und Vergessen. „Da muss man durch.“ Frauen denken und handeln umfassend. Sie versuchen alle Faktoren zu berücksichtigen. Bei Schmerz und Trauer versuchen Frauen diese aufzuarbeiten. Sie arbeiten an ihren Gefühlen. Typisch frauliche Reaktionen sind hierbei: Reden und Weinen.
In der Erziehung der Männer war Weinen verpönt. "Ein Indianer kennt keinen Schmerz." und "Ein großer Junge weint nicht." waren Antreiber, schmerzliche Gefühle zu unterdrücken. Früh lernten Männer, mit Schmerz und Trauer anders umzugehen, im Extremfall sie nicht zu spüren. Frauen sind von Natur aus gefühlvoller. Ihre Erziehung tollerierte es, dasss Mädchen weinten. Es wurde ihnen nicht als unweiblich aberzogen. Sie können sich daher nun dem Schmerz und der Trauer hingeben und in einem Meer von Tränen regelrecht ertrinken.
Männer sprechen meist in knappen Sätzen. Der Sachverhalt wird genannt. Die sagen ein für alle mal, dass sie über den Tod ihres Kindes traurig sind. Damit hat es sich für sie. Frauen reden in ihrer Trauer immer wieder über das Erlebte, über das Erlittene. Zum x-ten Male haben ihre Zuhörerinnen und Zuhörer das anzuhören. Frauen brauchen dies, um damit aus ihrer Trauer herauszukommen, sie aufzuarbeiten.

Problemgespräche sind für Männer auf Lösungssuche ausgerichtet. Als Leidender erbittet er Hilfe und Unterstützung. Als Zuhörer analysieren sie das Problem und suchen nach einer Lösung.

Problemgespräche sind für Frauen auf Beziehung und Anteilnahme ausgerichtet. Als Leidende will sie einfach nur darüber reden. Als Zuhörerin erzählt sie von ähnlichen Erlebnissen, um Nähe zu schaffen und Anteilnahme zu zeigen.

   
   

Männer sprechen lieber abstrakt. (B, 95)

Frauen sprechen lieber von sich, vom selbst Erlebten. (B, 95)

Für Männer ist Reden eine zielgerichtete Berichtssprache.

Für Frauen ist Reden eine schlichte Beziehungssprache.

   

Es hilft in keinster Weise, vom anderen zu erwarten oder gar zu verlangen, dass er in gleicher Weise trauert, wie man/frau selbst. Dies verschärft nur die Situation und führt zu kontraproduktiven Spannungen.

Wer die geschlechtsspezifische Unterschiedlichkeit der gelebten Trauer akzeptiert und damit umzugehen lernt, der hat schon mal die erste große Hürde geschafft. Auf diesem Hintergrund half es nachweislich den meisten verwaisten Müttern für ihre Partnerschaft, wenn sie mit ihrem Partner über den Verlust des Kindes sprechen konnten.

Anfang der Seite

Weitere Beispiele geschlechtsspezifischer Unterschiede

Weitere Beispiele geschlechtsspezifischer Unterschiede zeigen auf, wie unterschiedlich Männer und Frauen auch sonst im Leben allgemein, aber insbesondere in der Kommunikation sein können. Diese Beispiele sind aus folgenden Büchern entnommen:

A = Deborah Tannen: Ich mein´s doch nur gut. München 2001.
B = Deborah Tannen: Du kannst mich einfach nicht verstehen. Hamburg 1991.

Mann
Frau

Männer erzählen von ihren Taten und Erlebnissen. Sie leben in der Welt des Aktivismus. Es müssen hierbei nicht immer die Siege sein. Es können auch die Nieder­lagen sein, was Männern wichtig ist. Männer sind stärker vom „Haben“ geprägt: Ich habe das erlebt, getan, ...

Frauen erzählen von ihren Gedanken und Gefühlen. Leben bedeutet für sie mehr das Sein und was sein könnte. Frauen sind stärker vom „Sein“ geprägt: Ich bin traurig, glücklich, ...

Das Verhalten von Männern ist von ritualisierten Kämpfen durchzogen, wie es sich besonders deutlich bei rauen Sport- und Wettkampfspielen zeigt. (B, 162)

Frauen neigen eher zu einem vermittelnden Verhalten oder kämpfen lieber aus konkreten als aus rituellen Anlässen. (B, 162)

Männer müssen während eines Gespräches keinen Blickkontakt pflegen. Männer können ohne jeglichen Blickkontakt sehr intensive Gespräche führen.

Für Frauen ist der Blickkontakt während eines Gespräches äußerst wichtig. Fehlender Blickkontakt wird von ihnen häufig als mangelnde Aufmerksamkeit angesehen.

Männer geben beim Zuhören kaum Rückmeldungen. (B, 152)

Frauen binden beim Zuhören immer wieder Wörter wie „mhm“, „aha“ oder „Ja“ ein. (B, 152)

Ein „Ja“ der Männer bedeutet Zustimmung zum Gehörten. (B, 153)

Ein „Ja“ der Frauen bedeutet „Ich bin bei dir, ich kann dir folgen.“ (B, 153)

Für Jungs ist es schon seit Kindheit an wichtig, aus der Masse herauszuragen, der Sieger zu sein.

Von Kindheit an kritisieren Mädchen Spielgefährtinnen, die sich hervor oder besser erscheinen wollen als andere. (B, 79)

Männer bevorzugen Spiele mit deutlichem Wettbewerbscharakter wie Fußball oder Tennis. Sogar beim Spielen geht es ihnen um Gewinner und Verlierer. (B, 170) Frauen bevorzugen gemeinschaftliche Aktivitäten, an denen die ganze Gruppe teilnehmen kann und bei der es keine Gewinner und Verlierer gibt, wie z.B. Wandern. (B 170)

Männer lernen von klein auf, Gespräche zu benutzen, um Aufmerksamkeit zu be­kommen und zu behalten. Selbst persönliche Dinge werden in Berichtssprache vorgetragen. (B, 79)

Frauen lernen von klein auf, Gespräche zum Knüpfen von Beziehungen zu gebrauchen.

Männer sprechen stärker in der Befehlssprache. (B, 165f)

Frauen sprechen stärker in der einbindenden Form von „Lass uns ...“ (B, 165f)
Männer unterlassen die Begründung ihrer Befehle und unterstreichen damit den kämpferischen Charkter ihrer Forderungen (B, 169) Frauen versuchen mit den den Formulierungen "Lasst uns ..." oder "Wir ..." Gemeinschaft herzustellen. Sie wollen damit nicht die Macht, sondern die Gemeinschaft stärken. (B, 169)
Männer sind jederzeit zur offenen Konfrontation bereit. (B, 171)

Frauen vermeiden offene Konfrontation und reden lieber hinter dem Rücken der Person (B, 171)
Für Männer ist ein handfester Streit ein Zeichen von Intimität. Eine endlose, monotone Diskussion ist für Männer ein Greul. (B, 173) Frauen fühlen sich bei endlosen Diskussionen wohl. Ein handfester Streit ist für sie die Hölle. (B, 173)
Männer stellen weniger Verständnisfragen, sondern fordern mit ihren Fragen den anderen eher heraus, auch wenn sie dabei dessen Autorität respektieren. (B, 184f) Frauen stellen eher Verständnisfragen. Sie versuchen damit auch Kontakte zu knüpfen. Sie suchen keine Konfrontation, sondern Harmonie und Gemeinschaft. (B 183-185)
Männer necken gerne den Menschen, zu dem sie eine besondere Beziehung haben. (B, 176) Frauen halten diese Neckerei geduldig aus, wenn es auf Gegenseitigkeit beruht, denn sie werden lieber geneckt als gar nicht beachtet. (B, 176)
Geld zu besitzen bedeutet für Männer Macht. Mehr Geld zu besitzen bedeutet für Männer mehr Macht. (B, 325) Geld zu besitzen bedeutet für Frauen Sicherheit und Selbständigkeit. Mehr Geld zu besitzen bedeutet für Frauen, mehr Sicherheit und Selbständigkeit. (B, 325)

Für Männer ist es ein gutes Gespräch, wenn es unpersönlich, faktisch und zielgerichtet ist. (B, 109)

Für Frauen ist es ein gutes Gespräch, wenn es um Persönliches geht. (B, 109)

Männer führen Gespräche unter dem Motto: „Habe ich gewonnen?“ „Hast du Respekt vor mir?“ (B, 137)

Frauen führen Gespräche unter dem Motto: „War ich hilfsbereit genug?“ „Magst du mich?“ (B, 137f)

Männer fühlen sich eher wohl, wenn sie öffentlich reden. (B, 79)

Frauen fühlen sich eher wohl, wenn sie privat reden. (B, 79)

   

Anfang der Seite

Praktische Beispiele:

Einige Beispiele aus dem Leben zeigen das unterschiedliche Verständnis zwischen Mann und Frau bei der gleichen gelebten Kommunikation auf.

Eine Frau beklagte sich Zuhause täglich über ihre Arbeit. Schließlich sagte ihr Sohn: „Wenn du deine Arbeit so hasst, wieso hörst du dann nicht auf?“ (A, 172)
Die Frau war verwirrt. Sie liebte ihre Arbeit. Wie konnte ihr Sohn nur auf solch einen Gedanken kommen. Sie wollte doch nur über das reden, was sie in der Arbeit erlebte.
Der Sohn missdeutete den normalen beruflichen Ärger und hielt ihn für eine unerträgliche Belastung, weil er nur darüber reden würde, wenn dieser so gravierend wäre, dass er dafür dringend eine Lösung bräuchte.

Eve hatte sich einen Knoten aus der Brust entfernen lassen. Durch diese Operation hat sich auch das Aussehen der Brust verändert. Eve fand es schrecklich, dass so an ihr herumge­schnitten wurde, und sprach mit ihrer Schwester und ihrem Mann darüber. (B, 48)
Ihre Schwester sagte: „Ich weiß. Nach meiner Operation habe ich mich genauso gefühlt.“ Damit fühlte sich Eve verstanden.

Eve´s Ehemann sagte: „Du kannst ja zu einem Schönheitschirurgen gehen, um die Narbe kaschieren und die Brustform korrigieren zu lassen.“ Damit fühlte sich Eve nicht nur unverstanden. Sie hatte auch den Eindruck, dass er sie auffordere, noch weitere Operationen auf sich zu nehmen, wobei sie ihm doch soeben erzählt hat, wie sehr sie unter den Folgen dieser Operation gelitten hat.

Ein Mann verteidigte sich gegen die Vorhaltungen seiner Freundin, dass er sofort das Thema wechseln würde, sobald sie anfinge, von ihren Problemen zu erzählen. Er entgegenete darauf: „Was hat es für einen Sinn, noch weiter darüber zu reden? Es lässt sich ja doch nicht mehr ändern.“ (B51)

Eine Frau fuhr nach New York. An der U-Bahn-Station an der 23. Straße stieg sie aus und wollte zur Madison Avenue. Sie wusste, dass sie westlich der Park Avenue liegt und hätte alleine den Weg gefunden. Troztdem sprach sie einen Passanten an und fragte nach der Richtung. Er gab ihr die falsche Richtung an. Sie wusste dies und fragte daher, wo es nach Westen ginge. Sie erhielt diese Information und bedankte sich. (B, 67)
Deborah Tannen erklärt es damit: „Was den reinen Informationsgewinn angeht, was diese Begegnung von Anfang bis Ende völlig absurd. Die Frau war nicht wirklich auf Hilfe angewiesen und der Mann nicht in der Lage, sie zu gewähren. Doch der Informationsgewinn war nicht das Entscheidende. Die Frau hatte die allgemein übliche Methode, einen Fremden nach dem richtigen Weg zu fragen, nicht nur- und nicht hauptsächlich – benutzt, um nach der U-Bahn-Fahrt die Orientierung zu finden, sondern um sich wieder in den Menschenstrom der Großstadt einzureihe, indem sie einen flüchtigen Kontakt mit einem Passanten knüpfte.“ (B, 67)

Ein Artikel in der New York Times vertrat die These, dass die heutigen Studenten nicht mehr so idealistisch seien wie die Studenten der sechziger Jahre. Der Mann glaubte dieser These, seine Frau widersprach ihr und verwies auf ihre Nichte und deren Freund, die beide sehr wohl Ideale hätten. Der Mann reagierte ungläubig und spöttisch auf die in seinen Augen unlogische Argumentation. Für ihn war ein einzelnes persönliches Beispiel weder ein Beweis noch ein Argument. „Für ihn hatte es höchstens anekdotischen Wert. Es kam ihm gar nicht in den Sinn, dass es sich hier nicht um einen Mangel an Logik, sondern um eine andere Logik handeln könnte.“ (B, 96)

Verschiedene Untersuchungen haben festgestellt, dass Frauen dazu tendieren, in Gemeinschaft zu trauern und zu klagen. „Der Ausdruck des Leids, das sie über den Verlust geliebter Menschen empfindet, bindet diese Frauen aneinander, und ihre Verbundeheit legt sich wie Balsam auf die Wundes des Verlusts.“ (B, 105)

Spricht ein männlicher Nicht-Experte mit einer weiblichen Expertin, so übernimmt der Mann häufig das Gespräch. Frauen setzen nach dieser Beobachtung ihr Wissen nicht als Machtmittel ein. Wenn ein männlicher Experte mit einer weniger gut informierten Frau sprach, bestimmte er sie Struktur des Gesprächs am Anfang und am Schluss. Aber wenn ein männlicher Experte mit einem weniger gut informierten Mann sprach, dominiter er am Beginn, abe rnicht unbedingt am Ende des Gesprächs. Mit anderen Worten, über Sachhkenntnisse zu verfügen genügte, um einen Mann in der kontrollierenden Rolle zu halten, wenn er mit einer Frau sprach, aber nicht, wenn er mit einem Mann sprach. Wenn eine Frau mie einem Mann diskutiere, den sie für besser informiert hielt, akzeptierte sie offenbar einfach die aktivere Rolle. Ein männlicher Partner dagegen lieferte dem Experten unter Umständen manche Schlacht und hatte am Ende des Gesprächs vielleicht die Oberhand gewonnen, obwohl er schlechter informiert war. (B, 136)

Untersuchungen haben festgestellt: Lesbische Frauen haben seltener Sex als schwule Männer oder heterosexuelle Paare. Diese Feststellung wird darauf zurückgeführt, dass bei heterosexuellen Paaren meist der Mann die Initiative ergreift. Bei homosexuellen Männern übernimmst zumindest einer der Partner die aktivere Rolle. Bei lesbischen Frauen fühlt sich häufig keine der Frauen in der aktiveren Rolle wohl, weil keine als zu fordernd erscheinen möchte. (B, 159)

Die von Frauen häufig benutzte Einleitung „Lass uns ...“ ruft bei Männern häufig Aggressionen aus. Männer fühlen sich damit herumkommandiert, während Frauen dies als Einladung verstehen. Sie meinen, Männer bräuchten die Einladung nur abschlagen. Sie würden auf keinen Wunsch bestehen, wenn der Mann keine Lust dazu hat. (B, 163)

Gabi und Gerd wollten einen Termin für eine Grillparty ausmachen. An dem von Gabi vorgeschlagenen Wochenende begann die Jagdsaison. Dennoch sagte Gerd ohne jede Begründung für Samstagabend zu. Gabi wollte ihm entgegenkommen und hakte nach, ob er es nicht lieber am Sonntagabend haben wolle und fragte nach seinen Gründen, warum denn er sich für Samstag entschieden hatte. Gerd war darüber verärgert, was Gabi verletzte. "Gerd hatte den Eindruck, dass er Rechenschaft ablegen sollte, wie er seine Zeit verbrachte, als Gabi nach seinen Gründen fragte. Für ihn ist es klar, das jeder sich für seine eigenen Interessen einsetzt, deshalb empfindet er es als aufdringlich, wenn Gabi in seinen Motiven herumstochert. Gabis Versuch, einen möglichen Interessenkonflikt zu vermeiden, war genau das, was den Konflikt auslöste. (B, 172f)

John suchte ein Bild von ganz bestimmter Größe und Form. In den Augen seiner Frau Jane war es unmöglich, solch ein Bild zu finden und sagte: "Du wirst wohl zu Kreuze kriechen müssen." Als John das Bild beibrachte, wollte er, dass Jane ihren Irrtum eingestand. Statt dessen behauptete Jane, dass sie gesagt hätte, es würde schwierig werden, aber nicht unmöglich, so ein Bild zu finden. Sie schlug den Kompromiss vor, dass ihre Bemerkung anders gemeint war, als er aufgefasst hatte. Davon wollte John nichts wissen. Er wollte, dass sie ihre Niederlage eingestehen sollte. Der Streit wurde hitzig geführt und konnte nicht gelöst werden. Er blieb beim genauen Buchstabensinn ihrer Aussage. Sie wandte sich schließlich ihrer Beziehung zu und fragte: "Warum willst du mir immer beweisen, dass ich unrecht habe und dir unterlegen bin?" (B, 192)

Hank suchte sich immer ausgediente Autos aus, die Dora immer wieder in die Werkstatt bringen musste. Als sie durch defekte Bremsen eines solches Autos beinahe zu Tode gekommen wäre, entschloss sie, hier nicht mehr mitzumachen. Hank wollte nun einen 15 Jahre alten Alfa Romoe, den ein befreundeter Mechaniker gerade instand setzte. Dora wollte einen Jahreswagen. Eine Einigung war nicht möglich. Schließlich kaufte Dora einen neuwertigen VW von ihrer Freundin, die ins Ausland gehen wollte. Doar war auf einen Wutausbruch ihres Mann, der jedoch ausblieb. Verwundert sagte sie ihm, was sie eigentlich erwartet hatte. Hank meinte darauf nur, dass er sich doch idiotisch verhalten hätte. Sie hätte nur von Anfang an sagen sollen, wie viel ihr daran lag. Er konnte nicht verstehen, warum sie seinen Segen für etwas brauchte, was ihrer Meinung nach das einzig Richtige war. (B, 202f)

Eva fiel auf, dass Frank seinen Arm schonte. Sie sprach ihn darauf an. Frank antwortete, dass sein Arm schmerze. Eva fragte nach, wie lange er denn schon diese Schmerzen hätte. Frank antwotete: "Oh, schon ein paar Wochen." Zu seiner Üverraschung reagierte sie verletzt und verärgert: "Behandle mich ruhig wie eine Fremde!" (B, 321)
Frank wollte mit seinen Schmerzen Eva nicht belasten. Vielleicht gingen die Schmerzen auch wieder von alleine weg. Eva sah ihn Franks Verhalten einen Vertrauensbruch, der schon Wochen anhielt. Das verletzte sie.
Untersuchungen zeigen, dass bei homo- und heterosexuellen Paaren für den Mann der Verdienst ein Symbol für Macht war. Wer mehr verdient, der hat mehr Macht. Nur bei lesbischen Paaren war keine Beziehung zwischen Geld und Macht zu erkennen. Lesben benutzten das Geld zur Vermeidung von Abhängigkeit und nicht zur Herstellung von Dominanz. (B, 325)

Anfang der Seite

Einige Zitate aus der Fachliteratur:

„Frauen finden es oft frustrierend, dass Männer, denen sie von ihren Problemen erzählen, nicht mit ähnlichen Erfahrungen darauf eingehen, und Männer sind oft frustriert, weil Frauen genau das tun. Einige Männer fühlen sich durch eine solche Reaktion nicht nur nicht getröstet, sondern sogar angegriffen.“ (B, 49f)

„Männer und Frauen finden es oft gleichermaßen frustrierend, wie der andere auf ihre Probleme reagiert. Und wenn der andere frustriert ist, ist man selbst um so gekränkter.“ (B, 50)

„Frauen nehmen es übel, wenn Männer für jedes Problem eine Lösung parat haben, und Männer werfen den Frauen vor, dass sie sich weigern, die Probleme aus der Welt zu schaffen, über die sie sich beklagen.“ (B, 50)

„Während viele Frauen dankbar sind, wenn man ihnen bei der Reperatur technischer Gerätschaften hilft, neigen nur wenige zur Dankbarkeit, wenn man ihre emotionalen Probleme ´reparieren´ will.“ (B, 51)

„Wenn Frauen versuchen, Probleme zu besprechen, sind sie häufig unglücklich über das Verhalten der Männer, und Männer sind häufig unglücklich, weil man ihnen Vorwürfe macht, wenn sie helfen wollen. ... Das Problematische am Gespräch zwischen Männern und Frauen ist die unterschiedliche Erwartungshaltung. Männer versuchen, den Kummer des anderen indirekt zu beschwichtigen, indem sie die Ursache des Problems aufgreifen. Weil Frauen aber erwarten, in ihren Gefühlen bestätigt zu werden, gibt die männliche Herangehensweise ihnen das Gefühl, selbst angegriffen zu werden.“ (B, 62)

„In einer Diskussion redete ein Mann ... derart langatmig, dass einige Frauen ... unruhig auf ihren Plätzen hin und her zu rutschen begannen und die Augen verdrehten. Die Ironie dabei war, dass der Mann sich darüber ausließ, wie sehr es ihn frustiert, wenn er Frauen zuhören muss, die sich endlos über Themen auslassen, die er langweilig und unwichtig findet.“ (B, 78)

Männer ist es ein Rätsel, „warum Frauen so gern über Probleme sprechen; sie missverstehen die rituelle Klage als Ratsuche. Jetzt wird deutlich, dass das Problemgespräch lediglich eine Variante des altbekannten vertraulichen Gesprächs bildet, das man als Klatsch bezeichen könnte. Lösungsangebote für kleinere Probleme gehen nicht nur am Wesentlichen vorbei, sie schneiden auch die Unterhaltung – und damit das eigentlich Wesentliche – ab. Wenn ein Problem geöst ist, muss man ein neues finden, um das vertrauliche Gespräch in Gang halten kann.“ (B, 107)

„In einer Gesellschaft, in der Männer und Frauen in getrennten Sphären leben und klar definierte Geschlechtsrollen übernehmen müssen, bedeutet die Freundschaft mit einer anderen Frau, dass es zumindest eine Beziehung gibt, in der eine Frau völlig sie selbst sein darf, verstanden und akzeptiert wird. Wenn sie niemanden hat, dem sie ihre wahren Gefühle anvertrauen kann, fühlt sie sich schmerzlich isoliert.“ (B, 116)

"Die Gemeinschaft, in der Mädchen und Frauen sich befinden oder zu befinden glauben, wird durch Konflikte gefährdet. Deshalb formulieren sie Forderungen als Vorschläge und nicht als Befehle, denn das gibt den anderen die Gelegenheit, Gegenvorschläge zu machen, und verhindert Konfrontationen. Weil Mädchen nicht daran gewöhnt sind, dass jemand ihnen ihren Willen einfach nur deshalb aufzwingen will, um eine überlegene Position zu begründen, haben sie es nicht gelernt, Forderungen anderer einfach aus Priinzip abzulehnen, und glauben auch nicht, dass andere sich so verhalten würden.
Es ist nicht so, dass Frauen ihren Kopf durchsetzen wollen, aber sie wollen es nicht um den Preis eines Konflikts. ... Die von Frauen angewandten Methoden der Konfliktvermeidung sind häufig genau diejenigen, die im Gespräch mit Männern den Konflikt auslösen. Sobald Männer den Eindruck haben, dass jemand versucht, sie zu bevormunden, ohne das direkt und offen auszusprechen, fühlen sie sich manipuliert und von einem Feind bedroht, der um so heimtückischer ist, weil er sich nicht offen zeigt." (B, 167)

Männer sprechen in der Öffentlichkeit öfter als Frauen und auch länger: 10,6 – 17,1 sec gegenüber 3 – 10 sec bei den Frauen in Fachbereichssitzungen. (B, 77) Bei der Aussprache nach Fachtagungen: Frauen mit durchschnittlich 23 sec gegenüber 52 sec bei Männern. Totz eindeutigen Frauenüberschuss (bei Frauenthemen) bestimmen Männer das Gespräch. (B, 78)

Anfang der Seite

Männersprache und Frauensprache

Oft kommt es vor, dass Männer und Frauen das gleiche Anliegen haben. Sie drücken jedoch häufig ihr Anliegen ganz geschlechtsspezifisch aus. Hierzu einige Beispiele:

typisch Mann
typisch Frau
Warum mißfiel ihnen die Art, wie ein Psychologe sie in ihrem Seminar befragte? (B, 184) Könnten sie näher erläutern, warum sie das Verhalten des Psychologen in dem von ihnen aufgeführten Beispiel mißbilligten? (B, 185)
Gehört nicht viel von dem Material ihres Buches eigentlich in den Bereich Rhetorik und Kommunikation und nicht in den Bereich der Linguistik? (B, 184) Könnten sie mir die Beziehung zwischen ihrer Arbeit und den Bereichen Kommunikation und Rhetorik weiter ausführen? (B, 185)
Der Vortrag war miserabel. Ich finde den Vortrag miserabel.
Gehe einkaufen! Ich brauche ein par Sachen vom Kaufmann, aber ich bin zu müde.
Ich will auf die Party. Willst Du auf diese Party? (B, 249)
   

Anfang der Seite

andere Länder, andere Sitten

Das hier Beschriebene gilt innerhalb des mitteleuropäischen und nordamerikanischen Kulturraums. Andere Kulturen und auch andere Religionen haben mitunter ein gänzlich anderes Kommunikationsverhalten:

Bei osteuropäischen Juden gilt feindliches Streiten als Ausdruck der Geselligkeit, und zwar bei Männern wie auch bei Frauen. So kann man hierbei beobachten, dass ein jüdisches Paar in der Öffentlichkeit häufig kontroverse Ansichten vertraten und sich streitlustig zeigten, aber sie bekämpften sich nicht. Sie inszenierten eine Art sprachlichen Boxkampf mit Publikumsveteiligung, bei dem die Sparringspartner auf derselben Seite kämpften. (B, 173)

Viele Griechen zeigen ihre Zuneigung, indem sie dem anderen Ratschläge geben. So kam es z.B. zu einem Streit zwischen einer Griechin und einer US-Amerikanerin, die sich das gleiche Hotelzimmer teilten. Die Griechin fragte: "Warum lässt du die Kühlschranktür so lange offen?", "Warum ißt du so wenig? Du musst mehr essen."
In Griechenland wären solche Fragen unter Freundinnen nichts Ungewöhnliches und würde als Zeichen von Interesse und Anteilnahme verstanden werden. Aber Amerikaner halten solche Fragen für aufdringlich und fühlen sich kritisiert. Die amerikanische Zimmergenossin reagierte darauf, indem sie die Griechin mit "Mom" nannte. Was als Ausdruck freundschaftlicher Fürsorge gemeint war, wurde als Statusdemonstration, als anmaßende Bemutterung aufgefasst." (B, 174)

Italiener lassen sich gerne auf hitzige Diskussionen ein, die - in dieser Weise geführt - in Amerika als handfesten Streit gelten würden. (B, 174)

Menschen aus dem Mittleren Westen werden an der Ostküste von diesen Menschen oft unterbrochen. Sind sie jedoch mit athapaskischen Indianern zusammen, die noch längere Gesprächspausen erwarten, so gelten sie dort als Gesprächsrowdys. Viele Merikaner lassen schwedische und norwegische Gesprächspartner nicht ausreden, doch die Finnen brauchen noch längere Gesprächspausen. Hingegen wird in anderen Völkern das Auf-einmal-Reden in der Alltagsplauderei hoch geschätzt. (B, 221f)

 

Anfang der Seite

Was ist gemeint? Was steckt dahinter?

Wir hören täglich die unterschiedlichsten Aussagen. Wir machen die verschiedensten Beobachtungen. Die Kernfrage ist häufig die gleiche: Wie ist es zu verstehen? Wie ist es zu interpretieren? Einige Beispiele zeigen auf, wie verschieden die gleiche Situation bzw. die gleichen Worte verstanden werden können.

"In den Sitzungen widerspricht mir niemand. Alle erkennen meine Leistungen an." Es ist Fakt, dass in den Sitzungen niemand ihm widerspricht. Das Selbstbild meint, dass es aufgrund seiner Leistungen so ist.
Tatsächlich ist es so, dass alle Sitzungsteilnehmer sein aufbrausendes Temperament und seine spitze Zunge füchten.
   

Anfang der Seite

Copyright
Rechtliches
Impressum
an mich
Zurück zur  Startseite